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[Rezension] Neal Stephenson- Termination Shock

 

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32€
1008 Seiten
ISBN 3442316812
Reziexemplar

Worum geht's? 

In einer Welt der nahen Zukunft hat der Treibhauseffekt zu einer wirbelnden Troposphäre mit Superstürmen, Überschwemmungen und gnadenloser Hitze geführt. Der globale Kollaps scheint unausweichlich, der Anstieg des Meeresspiegels ist nicht mehr aufzuhalten. Doch dann stellt ein texanischer Milliardär die Mittel für ein spektakuläres Projekt bereit, das die globale Erwärmung stoppen könnte. Aber wird es funktionieren? Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, der über das Schicksal der gesamten Menschheit entscheiden wird. Ein mitreißender, apokalyptischer Roman, erzählt von einem der visionärsten Autoren unserer Zeit. (Quelle: Verlag)


Meine Meinung: 

Neal Stephenson, bekannt für seine visionären und oft genre-übergreifenden Werke, liefert mit "Termination Shock" einen weiteren packenden Roman, der sich mit hochaktuellen Themen wie Klimawandel und Geoengineering auseinandersetzt. In seiner typischen Art verbindet Stephenson wissenschaftliche Fakten mit spekulativer Fiktion und schafft so eine spannende und zugleich nachdenklich stimmende Erzählung. "Termination Shock" spielt in einer nahen Zukunft, in der die Auswirkungen des Klimawandels zunehmend spürbar werden. Die Handlung beginnt mit einem dramatischen Ereignis: Der texanische Milliardär T.R. Schmidt organisiert eine geheime Konferenz, um seine Lösung für das globale Problem des Klimawandels vorzustellen. Er plant, Schwefeldioxid in die Atmosphäre zu injizieren, um die Sonne zu dimmen und die Erde zu kühlen – ein kontroverses Geoengineering-Projekt.

Stephenson führt eine Vielzahl von Charakteren ein, die aus verschiedenen Teilen der Welt und unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten stammen. Dazu gehören ein niederländischer König, ein kanadischer Wildhüter, eine indische Politikerin und viele andere, deren Wege sich im Laufe der Geschichte kreuzen. Diese multiperspektivische Erzählweise ermöglicht es Stephenson, die globalen Auswirkungen und ethischen Dilemmata des Geoengineering umfassend zu beleuchten. Neal Stephensons Stil ist prägnant und detailliert, wobei er komplexe wissenschaftliche Konzepte verständlich und spannend darstellt. Seine Beschreibungen sind oft sehr bildhaft, was dem Leser hilft, sich die zukünftige Welt vorzustellen, die er skizziert. Gleichzeitig bleibt seine Sprache zugänglich und flüssig, was das Lesen trotz der wissenschaftlichen Tiefe angenehm macht. Der Roman behandelt zentrale Themen wie Klimawandel, technologische Innovation und die damit verbundenen ethischen Fragen. Stephenson zeigt die Dringlichkeit der Klimakrise und stellt die Frage, wie weit die Menschheit bereit ist zu gehen, um den Planeten zu retten. Er untersucht die Risiken und möglichen Nebenwirkungen von Geoengineering und thematisiert die politischen und sozialen Implikationen solcher Eingriffe.

Ein wiederkehrendes Motiv ist die Idee der Kontrolle – die Kontrolle über die Natur, das Klima und letztlich das eigene Schicksal. Stephenson zeigt die Ambivalenz menschlicher Eingriffe in die Natur und warnt vor den unvorhersehbaren Konsequenzen, die selbst gut gemeinte Maßnahmen haben können."Termination Shock" von Neal Stephenson ist ein fesselnder Roman, der durch seine Mischung aus wissenschaftlicher Präzision und spekulativer Fiktion besticht. Stephenson gelingt es, ein hochrelevantes Thema auf spannende Weise zu behandeln und dabei sowohl zu unterhalten als auch zum Nachdenken anzuregen. Seine Charaktere sind vielschichtig und glaubwürdig, und die Handlung ist trotz der Komplexität der Thematik packend und gut nachvollziehbar.

Wer sich für zukunftsorientierte Literatur interessiert und bereit ist, sich mit den großen Fragen unserer Zeit auseinanderzusetzen, sollte "Termination Shock" unbedingt lesen. Es ist ein Werk, das nicht nur unterhält, sondern auch zum Nachdenken über die Verantwortung der Menschheit für die Zukunft des Planeten anregt – ein wichtiger und beeindruckender Beitrag zur zeitgenössischen Science-Fiction.





Meine Bewertung: 💙💙💙💙🤍

[Rezension] Gianna Molinari- Hinter der Hecke die Welt

 

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24€
208 Seiten
ISBN 335104173X
Reziexemplar
Worum geht's? 

Ein Dorf hat Angst vor dem Verschwinden. Deshalb trifft es Maßnahmen: Die bei den Touristinnen und Touristen beliebte Hecke wird gehegt und gepflegt, der Stand der Dorfkasse wird regelmäßig überprüft. Vor allem aber kümmert man sich um Pina und Lobo, denn die Kinder sind die Zukunft des Dorfes. Doch Pina und Lobo wachsen schon lange nicht mehr. Während das Dorf auf die Wachstumsschübe der Kinder wartet, beobachtet Pinas Mutter in der Arktis, wie das Eis schmilzt und Grenzen sich verschieben.
Nach ihrem gefeierten Debüt legt Gianna Molinari erneut ein eindrucksvolles Porträt über die wechselseitige Durchdringung von Natur und Kultur vor, einen Roman, der unsere Vorstellungen von Wachstum und Stillstand hinterfragt und dabei ebenso viel poetische wie politische Kraft entfaltet. 

Meine Meinung:

Seit Dörte Hansens 'Mittagsstunde' bin ich bekennender Dorfgeschichten- Fan. Der Mikrokosmos Dorf stellt für mich eine reizvolle Quelle faszinierender Geschichten dar. 
Das Dorf, in dem Pina und Lobo, die einzigen Kinder, leben, bildet den einen Erzählstrang. Der andere spielt in der Arktis, wo Pinas Mutter auf einer Expeditionsreise unterwegs ist. Im Grunde dreht sich das Buch auf zwei unterschiedlichen Ebenen um das Verschwinden- beleuchtet aus verschiedenen Perspektiven. Dora, Pinas Mutter, sieht in der Arktis die Auswirkungen des Klimawandels, die den meisten Menschen (noch) verborgen bleiben. Ein fragiles Ökosystem, in dem die Einmischung des Menschen stets ein Balanceakt bleibt. Wie hier mithilfe kleiner Anekdoten auf Missstände hingewiesen wurde, gefiel mir gut. Zwischendurch gibt es kleine eindrucksvolle Zeichnungen und Bilder, die diese verdeutlichen. Pina, mit ihrem Vater im Dorf verbleibend, sieht das Verschwinden der Dorfwelt. Keine weiteren Kinder oder Erben mehr, die über alles geliebte Hecke des Dorfes fällt einem Verbrechen anheim, Touristen werden sparsamer und bleiben schließlich ganz aus, Menschen gehen weg. 

Generell, so finde ich, ein spannender Roman, der gekonnt die beiden Ebenen miteinander verflechtet und im Kleinen wie im Großen zeigt, wohin wir steuern. Das Dorf als Parabel für menschliche Gesellschaften, das große Verschwinden der Dorfkultur und von Lebenswelten. Also, soweit eigentlich etwas, das mir gefiel. 

Was mir aber wirklich sauer aufstieß, ist der Preis des Buches. Für 208 Seiten, die so bedruckt sind dass oft nur einseitig Text ist und so einige Seiten aufgrund kleiner Zeichnungen halbleer, finde ich 24€ schon sehr knackig. Hätte ich das Buch nicht als Rezensionsexemplar bekommen, ich hätte es mir nicht gekauft. Hier empfehle ich dringend, auf die Taschenbuchausgabe zu warten. Die ist es dann aber auch wert. 

Meine Bewertung: 💙💙💙💙🤍



Geheimtipp des Monats- Juli 2022

istock/Ponomariova_Maria

 


In dieser Kategorie tauche ich nach Perlen und bewege mich bewusst abseits der Bestsellerlisten. Heute habe ich dir ein Leckerli mitgebracht an dem du große Freude haben wirst, wenn dich 

1. Archäologie und 

2. Zeitreisen

interessieren. Die Rede ist von Bernhard Kegels 'Das Ölschieferskelett' .


Fischer Taschenbuch Verlag
448 Seiten
12€

Ich bin generell ja immer auf der Jagd nach Zeitreiseromanen. Es gibt wenig Themen die mich so anspringen wie dieses. Ich liebe es so sehr, in vergangene Zeiten abzutauchen und mich hinweg zu träumen. Je detaillierter und bunter diese Welt gestaltet ist, desto besser. Nun habe ich aber des Öfteren die immer gleichen Kritikpunkte bei Zeitreiseromanen- erstens finde ich, die Welten (egal ob Vergangenheit oder Zukunft) sind selten wirklich glaubhaft gestaltet. Sie wirken oberflächlich und lieblos, und oft könnte das, was dort spielt, genauso in der Gegenwart spielen- würde es nicht erwähnt würde man gar nicht merken dass wir uns in einer anderen Zeit befinden. 
Und zweitens: Die Liebe. Ja, die Liebe. Es ist kaum einmal ein Zeitreiseroman zu finden indem es nicht vordergründig darum geht dass Mr. Right gefunden wird (interessanterweise wird sogut wie nie eine Mrs. Right gesucht). Letzten Endes bietet die Zeitreise dann nur den (brüchigen) Rahmen für die Romanze, meist Schmonzette. Dieses Problem, oder sagen wir, dieser Umstand, hat mir schon so einige Romane vermasselt, die gut anfingen. Wird es mir zu dominant kann es durchaus sein, dass ich das Buch abbreche. Deswegen ist das Ölschieferskelett so ein Kuriosum. Es unterscheidet sich in gleich mehrfacher Hinsicht von anderen Zeitreiseromanen. Aber ich fange von vorne an. 
Der Roman spielt in Deutschland, genauer um die Grube Messel bei Darmstadt in Hessen.
 

Worum geht's? 

Der Paläontologe Dr. Helmut Axt, genannt Hackebeil, sucht im Ölschiefer der Grube Messel nach Fossilien. Doch das, was die weltbekannte Fundstätte bei Darmstadt diesmal preisgibt, lässt sein wissenschaftliches Weltbild einstürzen: Es sind die versteinerten Überreste eines Menschen mit Armbanduhr. Durch welches Zeitloch ist der Tote aus unserer Welt in den 50 Millionen Jahre alten Ölschiefer geraten? Axt tritt eine Reise an, die ihn viele Millionen Jahre zurück ins Eozän führt – in ein Erdzeitalter, in dem Menschen eigentlich nicht vorkommen dürften. Und doch ist er dort nicht allein. (Quelle: Verlag)

Ungewöhnliche Epoche... 

Die meisten Zeitreiseromane verorten sich im finsteren Mittelalter oder zur Jahrhundertwende. Dort lässt sich eben am besten 'der gutaussehende Gentleman' oder 'den tapferen Ritter' finden, die Epoche wird also oft deswegen so gewählt weil es am besten zur Liebesgeschichte passt, bzw. dort gewisse Archetypen bedient werden können. 'Das Ölschieferskelett' lässt uns in eine ganz andere Zeit springen- ins Eozän. Das Eozän fand vor 56- 33 Millionen Jahren statt, es befindet sich also jenseits allen Vorstellbaren. Das bedeutet, der Autor kann sich hier richtig schön ausleben- und das tut er. Es ist ein Wissenschaftsroman, das merkt man. Begriffe der Archäologie spielen eine große Rolle und auch der Alltag der Wissenschaftler. Das Erzähltempo ist eher gemütlich und hetzt nicht durch die Gegend. Das Buch lebt von der Beschreibung der Landschaften, vom Eintauchen in die Fremde. Es ist herrlich unaufgeregt und dennoch spannend, man entwickelt Freude an Ausgrabungen, selbst wenn es mal um etwas anderes geht als Dinosaurier. Ich habe beim Lesen viel Spaß gehabt- ein Buch, das auf jeden Fall eine Chance verdient. Ich würde sagen, es wendet sich an Leser*innen, die auch Schätzings 'Schwarm' mochten.