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[Rezension] Ulrike Draesner- Die Verwandelten

 

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26€
608 Seiten
ISBN 3328601724
Reziexemplar

Worum geht's? 


Eine nationalsozialistische Vorzeigemutter, die anderen beibringt, wie Kinder zu erziehen sind, doch über das Wichtigste, was sie verloren hat, niemals spricht. Eine Köchin, die lieber Frauen geliebt hätte als den Dienstherrn, unterwegs durch das zerstörte Deutschland im Sommer 1945. Ein Mädchen in München Solln, geboren in einem Lebensbornheim der SS. Eine alleinerziehende Anwältin von heute, die nach dem Tod ihrer Mutter unverhofft eine Wohnung in Wrocław erbt – und einen polnischen Zweig der Familie entdeckt. Alle Figuren verbindet ein Jahrhundert von Krieg und Nachkrieg, Flucht und Vertreibung, von Gewalt. Was bedeutet es, in einem Staat zu leben, der Menschenzucht betreibt? Und wie darüber schreiben, was den Frauen im Krieg geschieht? Was ihnen die Sprache nimmt. Was sie für immer verwandelt. Und wie über die unsichtbare Kraft, die verhindert, dass sie daran zerbrechen?
Ulrike Draesner gibt den Verwandelten ihre Stimmen zurück. Sie erfinden sich neu, wechseln Sprache und Land, überraschen sich selbst mit ihrem Mut, ihrem Humor, ihrer Kraft. Die Bedeutung von Familie verändert sich, Freiräume entstehen. Ein erschütternder Roman, bewegend, aufwühlend, zärtlich, klug.
Schaut: die Liebe der Töchter zu ihren Müttern, der Mütter zu ihren Töchtern. Schaut, wie sie blitzt durch ein dunkles Tuch.

Meine Meinung: 

Die Handlung konzentriert sich auf die Geschichte einer Familie, die durch die Wirren des Krieges auseinandergerissen wird. Besonders im Fokus steht die junge Elisabeth, die nach einem Angriff auf ihr Heimatdorf in Oberschlesien fliehen muss. Ihre Odyssee und die Begegnungen mit anderen Vertriebenen zeigen eindrucksvoll die Brutalität und das Chaos dieser Zeit, aber auch die Widerstandskraft und den Überlebenswillen der Menschen.
Draesners Sprache ist poetisch und zugleich präzise. Sie schafft es, mit wenigen Worten kraftvolle Bilder zu erzeugen und die emotionale Tiefe ihrer Charaktere spürbar zu machen. Ihr Stil ist geprägt von einer dichten, atmosphärischen Erzählweise, die den Leser unmittelbar in die Welt der Figuren hineinzieht. Besonders beeindruckend ist, wie sie historische Fakten und persönliche Geschichten miteinander verwebt, ohne dass dabei der literarische Anspruch verloren geht.
Ein zentrales Motiv des Romans ist die Verwandlung – sei es im physischen Sinne durch Flucht und Vertreibung oder im metaphorischen Sinne durch die innere Entwicklung der Figuren. Draesner thematisiert die Frage nach Identität und Heimat, nach Verlust und Neubeginn. Sie zeigt, wie Krieg und Gewalt Menschen verändern, sie aber auch zu neuen Erkenntnissen und Stärken führen können.
Ein weiteres wichtiges Thema ist die Rolle der Frauen in Kriegszeiten. Draesner porträtiert ihre weiblichen Protagonisten als starke, eigenständige Persönlichkeiten, die trotz aller Widrigkeiten ihren Weg gehen. Dies verleiht dem Roman eine zusätzliche Dimension und hebt ihn von anderen historischen Romanen ab.
"Die Verwandelten" von Ulrike Draesner ist ein beeindruckender Roman, der durch seine literarische Qualität und die Tiefe seiner Themen besticht. Draesner gelingt es, die Schrecken des Krieges und die Kraft des menschlichen Geistes in einer poetischen und zugleich eindringlichen Sprache darzustellen. Ihre fein gezeichneten Charaktere und die kunstvolle Verknüpfung von Geschichte und persönlichem Schicksal machen das Buch zu einem Leseerlebnis, das lange im Gedächtnis bleibt.
Wer sich für anspruchsvolle Literatur interessiert und bereit ist, sich auf eine emotionale und intellektuelle Reise zu begeben, sollte "Die Verwandelten" unbedingt lesen. Es ist ein Werk, das sowohl berührt als auch zum Nachdenken anregt – ein wahrer Schatz in der zeitgenössischen deutschen Literatur.
Ulrike Draesner, eine der bedeutendsten zeitgenössischen deutschen Autorinnen, präsentiert mit "Die Verwandelten" einen Roman, der sowohl literarisch anspruchsvoll als auch tief berührend ist. In ihrem Werk verschmelzen historische Fakten, mythologische Bezüge und menschliche Schicksale zu einem eindrucksvollen Gesamtbild, das lange nachhallt. "Die Verwandelten" spielt in der Zeit des Zweiten Weltkriegs und folgt den Lebenswegen mehrerer Protagonisten, deren Schicksale auf vielfältige Weise miteinander verknüpft sind. Draesner beleuchtet die Grausamkeiten des Krieges und deren Auswirkungen auf das individuelle und kollektive Bewusstsein der Menschen. Dabei wechselt sie meisterhaft zwischen verschiedenen Zeitebenen und Perspektiven, was dem Roman eine besondere Tiefe und Komplexität verleiht.





Meine Bewertung: 💙💙💙💙🤍

[Rezension] Bonnie Leben- Eine Bonnie kommt niemals allein

 

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16€
256 Seiten
ISBN 3453606957
Reziexemplar

Worum geht's? 


Mit 18 erhielt sie eine Erklärung für die Gedächtnislücken und Blackouts, für die Schwere in ihrem Leben, die endlich Licht ins Dunkel brachte: Bonnie hat eine Dissoziative Identitätsstörung, früher auch multiple Persönlichkeitsstörung genannt. Sie weiß seitdem: Sie ist Viele. Viele unterschiedliche Personen leben in ihrem Körper: eine komplexe Reaktion auf schwere Kindheits-Traumata, zugleich ein wichtiger Überlebensmechanismus und eine große Last. Wie lebt man sein Leben, wenn man sich den Körper und die Lebenszeit mit anderen teilen muss? Was für Probleme und Strategien ergeben sich im Alltag und wie geht man damit um? Die Geschichte der Bonnies zeigt ihre Stärke und Resilienz, beantwortet zahlreiche Fragen zu einer faszinierenden Lebensrealität und informiert fundiert über eine Diagnose, die für viele nur in vagen Umrissen existiert.(Quelle: Verlag)

Meine Meinung: 


Die dissoziative Identitätsstörung (kurz DIS) zählt schon lange zu meinen Interessengebieten. Als nicht- Betroffene ist es nur schwer vorstellbar, wie es sein muss, sich seinen Kopf mit anderen zu teilen und beständig Stimmen darin zu hören, die andere Meinungen vertreten. Lange Gedächtnislücken zu haben. Schmerzen, ohne zu wissen, woher sie kommen. Es gibt sehr viele interessante Aspekte dieser Störung. Ich habe bereits einziges dazu gelesen, wie beispielsweise die Sachbücher Michaela Hubers oder Truddi Chase' "Aufschrei". Letzteres ist besser geeignet um es mit dem vorliegenden Werk zu vergleichen, da ebenfalls der Bericht einer Betroffenen. Bonnie Leben folge ich seit einiger Zeit auf Instagram, wie, ich denke, auch die meisten anderen ihrer Leser. Wie auf Social Media üblich, bleiben die Inhalte eher oberflächlich und sind auf Likes und kurze Thrills ausgelegt. 
Ich erhoffte mir von einem schriftlichen Werk also einen gewissen Mehrwert, besonders im Hinblick auf die Tiefe und das Innenleben der Personen. Die Triggerwarnungen zu Beginn fehlten jedenfalls nicht. Im Laufe des Buches fragte ich mich allerdings, weshalb diese überhaupt da standen- denn es wurde während des gesamten Buches nichts konkretisiert, höchstens angedeutet. Im Großen und Ganzen bleibt es bei dem, was Follower bereits kennen, es gibt eigentlich keine neuen Informationen. Was es aber gibt: Einen philosophischen, lebensweisheitlichen Zeigefinger am Ende jedes Kapitels. Für mich sind allgemeine Aussagen dieser Art eine Ablenkung, um nicht wirklich in die Tiefe gehen zu müssen. Ich gewinne den Eindruck, dass die Autorin es in jedem Fall vermag, ihre Störung angemessen zu vermarkten. 
Leider war es mir zuwenig Authentizität, dafür viel psychologisches Blabla, das auch in einem Selbsthilfebuch stehen könnte. Daher empfehle ich das Buch eher nicht weiter- wer einen wirklich guten, ergreifenden Bericht einer Betroffenen lesen möchte, dem empfehle ich deutlich "Aufschrei" von Truddi Chase, auch, wenn es nur noch antiquarisch zu erhalten ist. 





Meine Bewertung: 💙💙🤍🤍🤍

[Rezension] Laura Imai Messina- Der verborgene Leben der Farben

 

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22€
384 Seiten
ISBN 3442762650
Reziexemplar

Worum geht's? 

Mitternachtsschwarz mit einem Hauch von Mond, Indigo, das nach Heidelbeere riecht, Pfirsichgelb kurz vor der Reife: Mio versteht es, alle Farben der Welt einzufangen und zu benennen. In dem Atelier, in dem ihre Familie Hochzeitskimonos mit alten, seit Generationen überlieferten Symbolen näht und bestickt, lernte sie von klein auf die Bedeutung der Details und entdeckte das verborgene Leben der Farben. Seitdem sind Farben ihr Alphabet, ihr geheimer Schlüssel zur Welt. Aoi hingegen begleitet Beerdigungszeremonien: Er bereitet diejenigen vor, die von dieser Welt gehen, und kümmert sich um jene, die bleiben. Er besitzt die seltene Sensibilität, sein Gegenüber auf den ersten Blick zu verstehen. Als sich Mios und Aois Wege kreuzen, spiegeln sie sich wie zwei Komplementärfarben. Sie scheinen perfekt füreinander, doch ihre Begegnung war kein Zufall.

Laura Imai Messina versteht es meisterhaft, die magische Kraft des Alltäglichen freizulegen. Und Japan, der Ort der Gegensätze, ist die ideale Projektionsfläche dieser Magie. So werden auf den Straßen von Tokio, der zukunftsgewandten Stadt, immer noch die alten Rituale einer tausendjährigen Kultur gelebt, wie die Übergangszeremonien von Hochzeit und Beerdigung. »Das verborgene Leben der Farben« ist ein großstädtisches Märchen, das die Macht hat uns zu verzaubern.(Quelle: Verlag)

Meine Meinung: 

Das verborgene Leben der Farben" ist ein unglaublich berührendes Buch, das mich von der ersten Seite an in seinen Bann gezogen hat. Laura Imai Messina gelingt es auf wunderbare Weise, die Macht und Schönheit der Farben in unserem Leben aufzuzeigen und dabei gleichzeitig eine fesselnde Geschichte zu erzählen.

Die Art und Weise, wie die Autorin die verschiedenen Farben mit den Emotionen und Gefühlen der Charaktere verwebt, ist einfach magisch. Jede Farbe hat ihre eigene Bedeutung und bringt eine ganz eigene Stimmung in die Geschichte. Ob es nun das tiefe Blau des Ozeans ist, das die Sehnsucht und die Verbundenheit der Protagonisten widerspiegelt, oder das leuchtende Rot der Sonne, das die Hoffnung und die Lebensfreude symbolisiert - jede Farbe hat ihre eigene Geschichte zu erzählen.

Besonders beeindruckend fand ich auch die Art und Weise, wie Laura Imai Messina die historischen Ereignisse in die Handlung einfließen lässt. Die Geschichte spielt im Japan der Nachkriegszeit und behandelt Themen wie Trauer, Verlust und die Suche nach einem Neuanfang. Durch die Verknüpfung von persönlichen Schicksalen und gesellschaftlichen Umbrüchen gelingt es der Autorin, eine packende und tiefgründige Geschichte zu erzählen, die noch lange nachhallt.

Auch die Figuren in diesem Buch sind einfach fantastisch. Ihre Entwicklung im Laufe der Handlung ist mitreißend und einfühlsam geschildert. Man fiebert und leidet mit ihnen mit und kann sich voll und ganz in ihre Gedanken und Gefühle hineinversetzen.

Insgesamt hat mich "Das verborgene Leben der Farben" tief berührt und nachdenklich gestimmt. Es ist ein Buch, das mich noch lange begleiten wird und das ich jedem, der sich für emotionale und tiefgründige Geschichten interessiert, wärmstens ans Herz legen möchte. Ein wahres Meisterwerk, das man gelesen haben muss!


Meine Bewertung: 💙💙💙💙🤍

[Rezension] Octavia E. Butler- Die Parabel vom Sämann

 

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15€
448 Seiten
ISBN 3453534921
Rezensionsexemplar
Worum geht's? 

Wir schreiben das Jahr 2024. Klimawandel, Wirtschaftskrisen und ein politischer Rechtsruck haben das Leben in den USA von Grund auf verändert. Lauren Olamina lebt mit ihrer Familie in Kalifornien, relativ sicher vor Plünderern hinter hohen Mauern. Wer überleben will, muss Stärke zeigen, deswegen hütet Lauren ihr Geheimnis sorgfältig: Sie leidet an Hyperempathie – sie empfindet die Emotionen eines anderen Menschen so tief, als wären es ihre eigenen. Doch wenn sie will, dass ihre Stimme gehört wird, darf sie sich nicht länger hinter den Mauern verstecken. Also macht sich Lauren auf die Reise nach Norden, wo es noch Sicherheit und Jobs gibt. Was als Kampf ums Überleben beginnt, wird schnell zu sehr viel mehr: Der Geburt einer neuen Religion – und einer atemberaubenden Vision für die Zukunft der Menschheit.

Meine Meinung: 


Dies war mein erster Roman von Octavia E. Butler- der Name war mir bisher komplett unbekannt, vielleicht auch, weil ich nicht die typische Sciene-Fiction Leserin bin. Ich stelle mir unter Science Fiction immer die typische Story in Weltraumstädten und fremden Planeten vor- wurde mit diesem Roman aber daran erinnert, dass dieses Bild nicht immer stimmt- auch Utopien oder (in diesem Fall) Dystopien können zu diesem Genre gehören. 
Ja, wir sehen hier eine recht düstere Dystopie. Und es ist, wie ich finde, ziemlich beeindruckend, welche Sicht auf die Zukunft eine Autorin hatte, die bereits 2006 verstarb. Das Bild, das sie zeichnet, ist heute gar nicht mehr zu unwahrscheinlich. Eine Welt, viel zu warm und trocken, in der die Menschen auf der Suche nach Arbeit und Wasser gen Norden ziehen, da der Süden zunehmend unbewohnbar wird. Generell kein schönes Szenario, niemand vertraut anderen, es gilt das Recht des Stärkeren und Mitgefühl und Freude ist nur noch selten zu finden. In dieser Welt lebt nun Lauren, die die Gefühle anderer Menschen spürt als wären es ihre eigenen. In einer Welt voller Hass und Not eine zweifelhafte Ehre. Eines Tages ist sie gezwungen, ihr Zuhause zu verlassen- und nutzt dies als Start in ein neues Leben. Auf ihrer Wanderschaft begleitete ich sie auf jedem Schritt, teilte ihre Gedanken und lernte mit ihr Menschen kennen, die sich ihr anschlossen. Lauren ist eine unglaublich gut ausgestaltete Heldin, die sich (wohl aufgrund ihrer Gabe) eine gewisse Ethik und ein gutes Herz bewahrt hat. Der Roman hat mich emotional auf ganz vielen verschiedenen Ebenen erreicht, ich durchlebte das gesamte Gefühlsspektrum beim Lesen. Eine starke, weibliche Heldin, die aber nicht übertrieben wirkt sondern ein Mensch mit realistischen Träumen, Motiven und auch Schwächen ist. Die Gruppe von Menschen um sie herum, die sich durch sehr unterschiedliche Individuen auszeichnet, die alle ihre Eigenheiten mitbringen und meisterhaft gestaltet sind. Ich hatte zum Schluss das Gefühl, diese Menschen wirklich zu kennen. Lauren trägt in dieser düsteren Umgebung ein Licht vor sich her und reißt die Menschen mit. 
Wer Gewaltschilderungen nicht lesen kann oder Beschreibungen von Elend, wird mit diesem Roman nicht glücklich werden, denn die Autorin nimmt kein Blatt vor den Mund. Mord an Kindern kommt genauso vor wie Kannibalismus. Wer dies aber in die Geschichte eingebettet in Ordnung findet, der findet hier ein echtes Meisterwerk. Ich habe lange nicht mehr etwas zu packendes gelesen und werde mir in jedem Fall die Fortsetzung ebenfalls vornehmen, wenn sie nächstes Jahr herauskommt. Volle Punktzahl. 

Meine Bewertung:  💙💙💙💙💙





[Rezension] Christine Thürmer- Auf 25 Wegen um die Welt

 

Piper Verlag
13,99€ (ebook)
467 Seiten
ISBN B0BKL9H1CL
Reziexemplar

Worum geht's? 

Die Lieblingstouren der meistgewanderten Frau der Welt
»Welchen Weg können Sie mir denn empfehlen?« Diese Frage wird Wanderexpertin und Bestsellerautorin Christine Thürmer nach über 60.000 Kilometern zu Fuß wirklich immer und überall gestellt. Eine allgemeingültige Antwort zu finden ist schwer, denn Menschen sind verschieden. Doch zum Glück ist auch jeder Trail anders!
Der richtige Weg für jedermann und -frau
Suchen Sie Einsamkeit? Abenteuer? Sinn? Kultur? Haben Sie ein kleines oder großes Budget? Wandern Sie allein, mit Ihrer Familie, Ihrem Hund, Ihrem Esel? Wollen Sie wissen, wo Sie das beste Bier trinken und wo die hungrigsten Insekten auf Sie warten? Was Sie tun müssen, wenn ein Alligator den Weg versperrt oder Sie in eine Militärübung geraten? Und wie auch Sie den richtigen Trail finden?
25 Trailtipps – vom Pilgerweg bis zur Abenteuerroute
Amüsant und aufschlussreich erzählt die meistgewanderte Frau der Welt von Wildnisabenteuern und Pilgerwegen, von Geschichtstrips, Gourmettouren und Literaturpfaden aus ihrer Outdoorlaufbahn von Wachau bis Patagonien. Denn kein Weg passt für alle, aber einer passt ganz bestimmt zu Ihnen. (Quelle: Verlag) 

Meine Meinung: 

Ich denke, Christine Thürmer ist inzwischen vielen Menschen ein Begriff, ganz besonders aber jenen, die sich fürs Wandern und Laufen, für Trekking und Abenteuer interessieren. Zu diesen zähle ich mich, deswegen habe ich mir dieses Mal ein Sachbuch vorgenommen, das neueste Buch der meistgereisten Frau Deutschlands. Ich war bereits begeisterte Leserin ihrer übrigen Werke und fühlte mich dort immer gut abgeholt und unterhalten. Ich meine, alleine das Leben der Autorin ist faszinierend. Sie hat nämlich keinen üblichen, festen Wohnsitz mehr, sondern ist seit Jahren nur noch im Zelt unterwegs. Sie ist sozusagen dauernd auf der Reise- wer anderes als sie könnte also gute Tipps geben, was Strecken und Abenteuer angeht? 
Alleine deswegen war ich sehr neugierig auf ihr neuestes Buch. 
Und ich wurde beileibe nicht enttäuscht. Ich liebe einfach die Art der Autorin zu schreiben. Sie vermag es wie jedes Mal schillernde Bilder zu malen, immer mit Witz und Humor, aber vor allem auch mit Sachkenntnis. Wer könnte auch bessere Tipps geben als eine professionelle Reisende? Ich fühlte mich ausserordentlich gut unterhalten, weil- wie jedes Mal in ihren Büchern- nicht nur nüchterne Fakten runtergebetet werden sondern auch immer wieder spannende, lustige oder skurrile Anekdoten der Autorin eingestreut sind, die mich zum Schmunzeln brachten. Der Reiz für die Lesenden liegt darin, dass hier tatsächlich Trails unterschiedlichster Coleur empfohlen werden, vom Familienspaziergang bis zum Abenteuertrail, und jeder das für sich heraussuchen kann, was am besten gefällt (oder auch einen Plan hinsichtlich Weiterentwicklung der eigenen Fitness). Für mich ein amüsantes, kompetentes Buch das ich sicher für meine Planung berücksichtigen werde. Von mir gibt es eine definitive Leseempfehlung! 

Meine Bewertung: 💙💙💙💙💙

[Rezension] Michel Bergmann- Mameleben: oder das gestohlene Glück

 

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25€
256 Seiten
ISBN 3257072252
Rezensionsexemplar
Worum geht's? 

Großartig und nervtötend, liebevoll und erdrückend, aufopfernd, aber auch übergriffig – Michel Bergmann liebt seine Mutter Charlotte und hält sie manchmal nicht aus. Er erzählt in diesem Buch, in dem er nichts und niemanden schont, die Geschichte dieser eigenwilligen, starken Frau: ihre Vertreibung aus Deutschland, der Verlust fast der gesamten Familie, das Glück, ihren künftigen Ehemann wiederzufinden, und dennoch ein Schicksal, bei dem sie allzu oft ganz auf sich allein gestellt ist. (Quelle: Verlag)

Meine Meinung:

Bücher, die von der echten Lebensgeschichte eines Menschen handeln beurteile ich stets anders, als Fiktion. Sicher kann ich über den Schreibstil urteilen, über die Erzählweise- aber ich kann nicht die Erlebnisse des dargestellten Menschen bewerten. Gleichfalls finde ich es schwierig am Ende zu sagen 'es hätte mir Spaß gemacht' das Buch zu lesen oder 'es sei eine Quälerei gewesen'. 
Aber hier muss ich wirklich sagen, gleich nach den ersten Zeilen war ich sofort 'drin'. Die Geschichte von Michel und seiner Mutter Charlotte, genannt Lotte, war ungemein fesselnd. Wir lernen zunächst Lotte als alte Frau kennen, unbequem, wunderlich und manchmal nervtötend für ihren Sohn (und für die Lesenden...). Es scheint so als könne er ihr nichts rechtmachen, sie nicht glücklich sehen und nie ihren Erwartungen entsprechen. 

Im Laufe der Geschichte lernen wir dann etwas über Charlottes Leben, das ihr wirklich nichts geschenkt hat, oder, wenn wir mal so deutlich sein wollen, ihr ständig in den Hintern getreten hat. Es beginnt schon damit, dass sie ihr Abitur nicht machen kann, da die Nazis an die Macht kommen und der Jüdin die Schule verbieten. Somit zerschlägt sich Lottes Wunsch, Kinderärztin zu werden für immer. Hier beginnt es, hier beginnen die Gründe, die Lotte letzten Endes zu einer solchen Frau werden lassen. Ihr ganzes Leben lang muss diese Frau über mannshohe Felsen klettern (wörtlich und im übertragenen Sinne) die ihr in den Weg geworfen werden, gefühlt hat sie niemals eine Atempause. So wird ihr Verhalten, ihre Art, immer greifbarer und verständlicher, bis ich am Schluss tatsächlich schlucken musste. 
Dieses Buch hat mich nachhaltig beeindruckt- wie die meisten anderen habe und hatte auch ich Differenzen mit meiner Mutter. Und doch denkt man als Kind nur selten darüber nach was die Mutter eigentlich zu diesem Menschen hat werden lassen. Die Vergangenheit einer Mutter liegt für ihre Kinder meist im Dunkel und wird manchmal nie entdeckt. Wie gut kennen wir unsere Eltern eigentlich als Menschen? 
Ergreifend, emotional und letzten Endes reflektiert und liebevoll betrachtet der Autor hier seine tote Mutter, die ich irgendwann wirklich besser verstand. Von mir eine unbedingte Leseempfehlung! 


Meine Bewertung: 💙💙💙💙💙


[Rezension] Esther Schüttpelz- Ohne mich

 

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22€
208 Seiten
ISBN  3257072333
Rezensionsexemplar

 Worum geht's? 

Sie ist Mitte zwanzig, gerade fertig mit dem Studium und genauso frisch verheiratet wie getrennt. Was tun, nachdem eine erste große Liebe krachend gescheitert ist? Die Erzählerin von Esther Schüttpelz’ Roman sucht. Nach dem Grund für die Trennung. Nach einem Plan für die Zukunft. Nach Freundschaft und nach Nähe und Rausch und Vergessen. Scharfzüngig, verletzlich und komisch erzählt sie von einem Jahr des Danach und Dazwischen, von der Sehnsucht nach Verbundenheit in einer distanzierten Welt. (Quelle: Amazon)

Meine Meinung:

Für dieses Buch eine Rezension zu verfassen, da tue ich mich wirklich schwer. Dick ist es nicht, gerade etwas über 200 Seiten. Es ist ein Debüt, da bin ich normalerweise recht gnädig. 
Es geht also um eine junge Frau, die sich gerade von ihrem Ehemann getrennt hat und nun auf der Suche ist. Schon der Schreibstil fiel mir sofort negativ auf. Er ist absolut schmuck- und emotionslos, kalt und nüchtern. Die Sätze waren entweder kurz und knapp, oder ellenlang und leierartig, wo wirklich unterwegs ein paar Kommata zwischen gehört hätten. Dieser Schreibstil war leider ein Faktor, der den Roman extrem distanziert wirken ließ, auch die Protagonistin bleibt dadurch eine Unbekannte, die auf mich ebenfalls unglaublich kühl und abgeklärt wirkte. Es sollten wohl auch die üblichen Emotionen nach einer Trennung übermittelt werden, aber ich kam während des gesamten Buches keinen einzigen Schritt näher an die Frau heran. War für mich absolut austauschbar. Ich kenne sie jetzt, nach der letzten Seite, kein Stück besser als zu Anfang. Als Leserin, die auf Charaktere enormen Wert legt erwischte mich das leider auf dem komplett falschen Fuß. Ich fühlte mich richtiggehend von dem Buch alleine gelassen. Zudem war mir die andauernde (jede Seite beinahe) Erwähnung von Drogen, Saufen, Rauchen einfach zu viel. Als sei ich in die 80er gefallen oder die Autorin hätte einen Vertrag mit der Tabakindustrie. Störte mich sehr, weil es einfach zu dominant war. Die Suche, die im Klappentext erwähnt ist, konnte ich leider nicht finden. 
Für mich ein hedonistisches Portrait einer Feiergesellschaft ohne Substanz. Leider konnte mich das Buch überhaupt gar nicht abholen oder in irgendeiner Form begeistern. Schade. Ich stimme dem Titel des Romans also zu: Ohne mich!


Meine Bewertung: 💙🤍🤍🤍🤍



[Rezension] Ellen Sandberg- Das Unrecht

 

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22€
416 Seiten
ISBN 3328602542
Reziexemplar
Worum geht's? 

Jedes Jahr, wenn der Herbst naht, wird Annett von einer inneren Unruhe erfasst. Dann macht sich die Narbe an ihrem Arm bemerkbar, dann werden die Erinnerungen an den Sommer 1988 und an die Clique von damals wach. Fünf Freunde, die sich blind vertrauten, bis einer von ihnen zum Verräter wurde.
Jetzt, Jahrzehnte später, begreift Annett, dass sie ihren inneren Frieden erst finden wird, wenn sie sich der Vergangenheit stellt. Kurz entschlossen fährt sie nach Wismar. Zurück an die Ostsee, in ihre alte Heimat. Doch je mehr sie dort über die Ereignisse jenes Sommers herausfindet, umso deutlicher wird: Sie hätte die Vergangenheit besser ruhen lassen, denn der Verrat von damals reißt ihr Leben erneut in einen Abgrund …

Ein großer Spannungsroman über eine ungesühnte Schuld und die Schatten der Vergangenheit, die eine Familie nach Jahrzehnten einholen. (Quelle: Amazon)



Meine Meinung: 


Ich habe bisher tatsächlich alle Romane von Ellen Sandberg gelesen- eine Autorin, die sich gerne mit Schuld und Vergeltung, mit Traumata und Familiengeschichten befasst. Und die eine absolute Schwäche für das Erzählen auf zwei Zeitebenen hat. Da könnte man jetzt sagen, immer gleiche Form und neu aufgerollt. Ja, neu erfinden tut die Autorin das Rad nicht- andersherum wissen Leser und Leserinnen aber immer, was sie bekommen. Und das ist einen spannenden Roman mit Verrat und Liebe, Freundschaft und doppeltem Boden, an dessen Ende die Fäden zusammen geführt werden und meist einen 'Aha'- Moment hervorrufen. 

Bei diesem Roman also begeben wir uns in die DDR des Jahres 1988 sowie in die Jetztzeit. Da ahnt der/die beflissene Leser:in schon, worauf es hinausläuft. Kein DDR Roman ohne die Stasi, das Stasigefängnis und Verrat. Ich lebe heute auf dem Grund und Boden der ehemaligen DDR und habe in meinem Umfeld mehrheitlich Menschen, die Zeitzeugen sind. Und: Das, was die Autorin hier erzählt, entsprach der Realität. Jeder Nachbar konnte ein Verräter sein, manchmal wurden sogar Eheleute wechselseitig auf ihren jeweiligen Partner angesetzt. Sie lebten dann dreißig Jahre zusammen und wussten nicht, dass sie ebenfalls bespitzelt wurden. Diese Zeitebene fand ich daher durchaus sehr gelungen, wenn auch die detaillierten Beschreibungen schmerzhaft waren. 

In der Jetztzeit stieß ich mich sehr an der Beziehung/Ehe der Hauptprotagonistin (Manipulation, nicht gleichberechtigte Partnerschaft, Besessenheit) und fand, dieses Thema bzw. die Dynamik hätte durchaus ein eigenes Buch verdient gehabt. So fand ich es zum Teil etwas viel oben drauf. 
Unterm Strich hat mir auch dieser Roman der Autorin wieder gefallen, ein großer Wurf ist er aber meiner Meinung nach nicht. Solide Unterhaltung für ein verregnetes Wochenende. 


Meine Bewertung: 💙💙💙🤍🤍

[Rezension] Juli Zeh und Simon Urban- Zwischen Welten


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24€
448 Seiten
ISBN 3630877419

 Worum geht's? 

Zwanzig Jahre sind vergangen: Als sich Stefan und Theresa zufällig in Hamburg über den Weg laufen, endet ihr erstes Wiedersehen in einem Desaster. Zu Studienzeiten waren sie wie eine Familie füreinander, heute sind kaum noch Gemeinsamkeiten übrig.
Stefan hat Karriere bei Deutschlands größter Wochenzeitung DER BOTE gemacht, Theresa den Bauernhof ihres Vaters in Brandenburg übernommen. Aus den unterschiedlichen Lebensentwürfen sind gegensätzliche Haltungen geworden. Stefan versucht bei seiner Zeitung, durch engagierte journalistische Projekte den Klimawandel zu bekämpfen. Theresa steht mit ihrem Bio-Milchhof vor Herausforderungen, die sie an den Rand ihrer Kraft bringen.
Die beiden beschließen, noch einmal von vorne anzufangen, sich per E-Mail und WhatsApp gegenseitig aus ihren Welten zu erzählen. Doch während sie einander näherkommen, geraten sie immer wieder in einen hitzigen Schlagabtausch um polarisierende Fragen wie Klimapolitik, Gendersprache und Rassismusvorwürfe. Ist heute wirklich jeder und jede gezwungen, eine Seite zu wählen? Oder gibt es noch Gemeinsamkeiten zwischen den Welten? Und können Freundschaft und Liebe die Kluft überbrücken?

Meine Meinung: 
Dieser Roman bringt schon einmal eine Besonderheit mit sich: Er besteht komplett aus Emails und Whats App Nachrichten zwischen den beiden Protagonisten. Dies bringt meist diverse potentielle Schwierigkeiten mit sich, das letzte Buch in dieser Erzählform das ich gelesen habe war damals 'Gut gegen Nordwind', das für mich einer der größten Flops meiner Lesegeschichte war. Dennoch war ich dem Rahmen gegenüber vorurteilsfrei, denn die Schwächen des genannten Romans waren andere. So ließ ich mich freudig darauf ein. Ich mag generell wenn Kapitel kurz und übersichtlich sind, so kann ich leichter wieder einsteigen und kurz unterbrechen (ich bin eine Abends im Bett- Leserin, und irgendwann fallen mir da die Augen zu). 
Schon auf den ersten Seiten merkte ich allerdings, dass zwischen diesem Buch der beiden Autoren Juli Zeh und Simon Urban und dem Roman von Daniel Glattauer Lichtjahre liegen und die beiden absolut null vergleichbar sind. Der Anspruch ist ein ganz anderer, alleine sprachlich ist 'Zwischen Welten' eine echte Wohltat. 
Mich würde natürlich interessieren ob die beiden Autor*innen sich die beiden Charaktere beim Schreiben auch so aufgeteilt haben- ob sie vielleicht tatsächlich während des Schreibprozesses einen jeweiligen Alter Ego angenommen haben und das Buch dann quasi diesen Austausch zusammenfasst? Nun, vielleicht werden wir das noch erfahren. Grundsätzlich geht es hier schon ganz schön zur Sache. Beide Hauptcharaktere- Theresa und Stefan- könnten nicht weiter voneinander entfernt sein, was ihr Leben angeht. Sie führt einen Milchhof in der brandenburgischen Provinz, er gehört zur Kulturelite Hamburgs. Beide haben Probleme, die der jeweils Andere nicht nachvollziehen kann und kollidieren in ihren Ansichten massiv. Und da nehmen sie auch kein Blatt vor den Mund, vor allem Theresa findet wirklich deutliche Worte, die mich manchmal die Luft einziehen ließen. 
So. Mein erster Eindruck war erstmal sehr positiv. Im Laufe des Romans gibt es dann jedoch durchaus ein paar Längen und Redundanz, so wiederholen sich beispielsweise Theresas Vorwürfe, Stefan sei in seiner Blase gefangen, immer wieder. Nur: Das stimmt auch. Im Austausch wird immer wieder klar, dass Stefan in Wirklichkeit nur einen Meter weit sieht und seine eigenen Probleme und täglichen Anforderungen ganz anders (wichtiger) gewichtet als die existentiellen Probleme Theresas. Letzten Endes hat sie das Gefühl, nicht wirklich gehört und verstanden zu werden, was schließlich zur Eskalation führt. Ich empfand den Austausch der Beiden als sehr gutes Abbild zu den gesellschaftlichen Problemen, die hier auch kritisiert werden sollen. Theresa (als Sinnbild der Landwirt*innen) wird nicht wirklich gehört und ernst genommen, bis es eskaliert. Und dann verkehrt sich das Bild in der Öffentlichkeit ins Gegenteil. 
Mich hat der Roman sehr berührt. Als jemand, der sich zwischen beiden Positionen einordnet brachte mich dieser Schlagabtausch schon wirklich zum Nachdenken, und das Ende tat verflucht weh. 
Inzwischen habe ich auch ein paar Kritiken gelesen und kann nur mit dem Kopf schütteln. Genau das, was im Roman angeprangert wird, geschieht darin. Es wird sich über Formalia aufgeregt, anstatt zum Kern des Problems vorzudringen und die Krise wirklich wahr zu nehmen. Für mich persönlich: Ja, auch ich bemerkte Redundanz und die ein oder andere Länge. Aber das Gesamtwerk ist für mich trotzdem so rund und wichtig, dass ich hier die volle Punktzahl vergebe. Ein Roman, der einer systemrelevanten Minderheit eine Stimme verleiht die so laut schreit und doch nie gehört wird, ist wichtiger als perfekte Stilistik. 

Meine Bewertung: 💙💙💙💙💙



[Rezension] C.E. Bernard- Die Schneekönigin


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18€
368 Seiten
ISBN 3764532793
Reziexemplar
Worum geht's? 


Jeder kennt ihre Geschichte: Weit im hohen Norden lebt die Schneekönigin in ihrem kalten Palast. Sie ist ein Monster, das Kinder entführt und Eiskristalle in ihre Herzen treibt. Doch ich glaube nicht daran. Im Gegenteil: Ich will, dass die Schneekönigin mein Kind rettet! Denn die Gunst des Winters und seiner eisigen Stürme gehört meinem Reich seit Generationen. Erst als am Tag der Winterwende ein geheimnisvoller Luchs auftauchte, sandte die Schneekönigin mir ihren Zorn. Doch ich werde ihre drei Prüfungen bestehen und meinen Sohn retten. Sogar, wenn ich dabei selbst zu Eis erstarren werde ...

Meine Meinung: 

Ich kannte C.E. Bernard von ihrer Palace Saga, bei der ich damals eine der Leserinnen der ersten Stunde war. Damals machte ich die Erfahrung dass die Idee einfach großartig war, das ganze aber leider ab dem zweiten Band in eine seichte Liebesschmonzette mit typischem Hin und Her abdriftete. Deshalb war ich bei der Schneekönigin auf der Hut. Aber bezüglich der Romantik hätte ich mir keine Sorgen machen müssen- die Protagonistin Greta ist seit langem verheiratet und die Beziehung steht nicht im Vordergrund. Generell ist das Setting nicht historisch genau, es ist politisch korrekt (weibliche Burgherrin, Holzfällerinnen, systemische Entscheidungen in der Gemeinschaft). Die Autorin löst das so, dass es sich um eine Insel im Fjord handelt die ausser im tiefen Winter vom Festland und somit dem normalen 19. Jahrhundert abgeschnitten ist. Somit hat sich ein eigenes Habitat gebildet, in dem andere gesellschaftliche Regeln gelten. Da es sich um ein Märchen handelt das gar keinen Anspruch auf historische Genauigkeit erhebt, konnte und kann ich damit leben und finde es gut gelöst. Hier zeigt sich die erste Gesellschaftskritik, die ziemlich organisch in die Geschichte eingewebt ist (Frauen auf dem Festland dürfen nicht arbeiten, sind nicht gleichberechtigt etc.). Aus diesen Gründen möchte die Burgherrin Greta vermeiden, aufs Festland zu ziehen, als es auf der Insel Schwierigkeiten gibt. Generell ist 'die Schneekönigin' sehr gelungen. Ich finde man kommt gut an die Charaktere heran- gleichwohl handelt es sich natürlich um eine klassische Heldenreise, ein klassisches Abenteuer- aber es ist definitiv ein Abenteuer für Erwachsene, denn es ist schonungslos, mystisch, düster und stellenweise auch grausam. Was mir sehr gut gefallen hat war, dass die Autorin auf das klassisch kitschige Ende verzichtet und eine Welt zeichnet, in der es kein wirkliches Happy End geben kann. Ein Twist am Ende des Märchens hat mich schon ziemlich überrascht- und auch die Probleme der Gegenwart (Klima) wird gekonnt in die Geschichte eingewebt. Als eingefleischte Feministin hat mich gefreut, dass es fast nur weibliche Hauptfiguren gibt. Für mich ein sehr lesenswertes Buch mit einer Sache die mir nicht gefallen hat- die ich aber nicht spoilern will. Somit gibt es von mir 4 gute Herzchen. 


Meine Bewertung: 💙💙💙💙🤍

[Rezension] Madeline Miller- Galatea (Erzählung)

 

Eisele Verlag
80 Seiten
ISBN 978-3-96161-141-6
20€ 

Worum geht's?

Ein Gefängnis hoch oben auf einer Klippe. Darin eine Frau, die Tag und Nacht von Ärzten und Schwestern überwacht wird. Ein Mann, der sie immer wieder besucht. Wenn er kommt, erstarrt sie zu Stein – und wird unter seinen Händen wieder lebendig. In dieser Erzählung führt Madeline Miller den berühmten Mythos von Pygmalion fort: Der Bildhauer erschafft eine Statue, die so makellos ist, dass er sich in sie verliebt: Galatea. Die Göttin Venus erhört seine Gebete und erweckt Galatea zum Leben. Sie gebiert eine Tochter und ist zunächst glücklich in der Ehe mit Pygmalion – doch als sie beginnt, ihren eigenen Willen zu haben, und die Kontrollversuche und Eifersucht ihres Gatten nicht mehr ertragen kann, ereilt sie ein grausames Schicksal. Galatea will Freiheit. Sie schmiedet einen Plan. Und kalt und hart wie Stein setzt sie ihn um (Quelle: Verlag)

Meine Meinung: 

Ich war ziemlich skeptisch zu Anfang- 80 Seiten, eine Erzählung. Normalerweise bin ich nicht so der Kurzgeschichten Fan, um ehrlich zu sein konnte mich noch keine überzeugen bisher. Da ich bisher vom Eisele Verlag jedoch überhaupt noch nie enttäuscht wurde und Madeline Miller inzwischen ja auch bereits ein Begriff ist wollte ich dem ganzen eine Chance geben. 
Positiv hervorzuheben sind die wirklich wunderschönen Illustrationen. Sie passen einfach hervorragend zur Erzählung und auch farblich zum Setting, in dem die Erzählung spielt. Das war also auf jeden Fall schonmal ein großer Pluspunkt. 
Nun zum Inhalt selbst. Im Vorwort erläuterte die Autorin ihre Herangehensweise und auch ein wenig Hintergrund, der zum Schreiben der Erzählung führte. Das half mir sehr, denn obgleich ich bei der Vorlage (Ovids Metamorphosen) kein unbeschriebenes Blatt bin, ist es doch schon viele Jahre her seit ich mich im Rahmen des Lateinunterrichtes mit dem Pygmalion- Thema befasst hatte. Für jemanden der die Geschichte überhaupt nicht kennt ist das Vorwort also noch wichtiger. 
Ich gebe zu dass ich mir damals keine tiefergehenden Gedanken zu der Geschichte machte. Aus heutiger Perspektive finde ich die Idee der Autorin, der eigentlich namenlosen Statue einen Namen und sogar eine Persönlichkeit zu geben ungemein spannend. Der feministische Ansatz hat mich elektrisiert und ließ mich ständig 'stimmt eigentlich...' denken. Was hätte die Frau, die von der Venus zum Leben erweckt wurde eigentlich über die Besessenheit und Kontrollsucht ihres Gatten gedacht? Wie hätte die andere Seite ausgesehen? Hier bekommen wir die entsprechende Antwort. Galatea besitzt nun einen eigenen Willen, eigene Ziele und Absichten. 
Mir war es entschieden zu kurz. Ich hätte Galateas Geschichte und Gedanken sehr gerne einen ganzen Roman lang beigewohnt. So bleibt die Erzählung kurz und knackig, bringt Dinge auf den Punkt und wird durch die herrlichen Illustrationen nochmal ein ordentliches Stück aufgewertet. Ich liebte jedes Wort. 
Worauf ich persönlich hätte verzichten können war das Nachwort in epischer Breite, das im Grunde nocheinmal die ganze Erzählung aufrollte und nochmal so lang war wie die Erzählung selbst. Ich mag es lieber, zum Denken angeregt und dann in Ruhe gelassen zu werden, ohne zu hören, wie ich etwas zu interpretieren habe. 
Mein Fazit: Die erste Erzählung die mich überzeugen konnte. Ich werde die Autorin auf jeden Fall im Blick behalten und ebenso den Eisele Verlag, von dessen Qualität ich einfach nur begeistert bin. Das Nachwort sollte mMn künftig etwas kürzer ausfallen. Ich betrachte die Erzählung gepaart mit den Illustrationen als wundervoll gelungenes Gesamtkunstwerk.

Meine Bewertung:
                                                                💙💙💙💙🤍

[Rezension] Mary Beth Keane- Mit dir bis ans andere Ende der Welt


Eisele Verlag
464 Seiten
24€
ISBN: 978-3-96161-142-3
*Rezensionsexemplar*

Worum geht's? 

Irland in den 1960er Jahren: Nie hätte Greta gedacht, dass sie ihr Heimatdorf an der irischen Küste jemals verlassen wird – bis sie nach einem tragischen Unfall mit ihrer Schwester nach New York reist, wo die Beziehung der beiden auf eine harte Probe gestellt wird. Mit dir bis ans andere Ende der Welt erzählt von der Liebe in ihren verschiedenen Erscheinungsformen: Von der unerwarteten ersten Liebe zu einem anderen Menschen, von der Liebe einer Mutter zu ihren Kindern, von der Liebe zu einem Ort, an dem man sich ein Leben aufgebaut hat – und von der Angst, dieses Leben wieder zu verlieren. (Quelle: Verlag) 


Meine Meinung
:

Ich könnte das Ganze jetzt abkürzen indem ich sage: Ich liebs einfach. Aber dieses Buch hat auf jeden Fall eine differenziertere Betrachtung verdient. Der Eisele Verlag steht für mich bisher immer für Qualität und ich muss sagen, auch dieses Mal wurde ich nicht enttäuscht- ich könnte tatsächlich blind zugreifen, wenn das Buch von diesem Verlag kommt. 
Nun aber zum Buch selbst. Familiengeschichten kennt man in dem Genre ja wirklich zu Genüge. Viele sind auch wirklich ausgelutscht, es ist eben nichts neues mehr sondern immer wieder gleiches in hübschem Gewand. Auch hier haben wir eine Familiengeschichte, aber es fühlt sich tatsächlich frisch und neu an. Zwei Schwestern, vom Wesen her sehr unterschiedlich, gehen unterschiedliche Wege durchs Leben. Er ist zwar eine Nebenfigur, aber eine sehr wichtige- Michael Ward, der Tinker. Wir erfahren in diesem Roman einiges über deren Kultur, was mir ganz besonders gefallen hat. Ganz besonders spannend ist da natürlich der Gegensatz zwischen der fahrenden Gemeinschaft die nie lange irgendwo bleibt und den Sesshaften, zu denen Greta und ihre Familie zählen und die ihren Landstrich seit Generationen bewohnen. Diese Spannung zwischen den Figuren bietet eine ganze Menge Potential, das hier tatsächlich auch ausgeschöpft wird. Die Autorin geht liebevoll in die Tiefe, aber nie so sehr, dass es langweilig würde. Sie erzählt schwierige oder auch traurige Zusammenhänge mit einer gewissen mühelosen Leichtigkeit, die mir sehr gefallen hat. Die Unaufgeregtheit beizubehalten und trotzdem tiefe Emotionen zu transportieren ist eine Kunst, die hier wahrlich gelingt. Sprachlich ist dieser Roman auf jeden Fall ein Genuss, ist dabei aber leicht und süffig zu lesen. Ich merkte gar nicht, dass ich plötzlich schon die Hälfte durch hatte- ein echter Pageturner, ein Buch, das einen fesselt. Die Figuren wuchsen mir allesamt schnell ans Herz, ich interessierte mich für ihr Schicksal und ihre Träume, Wünsche und Nöte. Und auch jetzt, nachdem ich das Buch beendet habe, lässt mich die Familiengeschichte noch nicht so ganz wieder aus ihren Fängen. Sie eignet sich sowohl für den sommerlichen Liegestuhl wie auch als Lektüre an einem verregneten Wochenende. Ich empfehle den Roman vorbehaltlos weiter. 

Meine Bewertung: 💙💙💙💙💙




[Rezension] Sue Monk Kidd- Das Buch Ana


btb Verlag
576 Seiten
12€
978-3-442-77144-8

Worum geht's?

Im Jahr 16 nach Christus, im von den Römern besetzten Galiläa: Ana wächst in einer wohlhabenden jüdischen Familie auf. Sie ist ein kluges Mädchen mit rebellischem Geist und messerscharfem Verstand. Sie lernt Lesen und beginnt, heimlich Geschichten zu schreiben. Als sie vierzehn ist, soll sie an einen alten Witwer verheiratet werden. Auf dem Markt wird sie ihm vorgeführt und ist entsetzt. Ein junger Mann mit dunklen Locken und sanften Augen erkennt ihre Verzweiflung und hilft Ana. Ihre Begegnung wird alles verändern.


Wie keine andere Autorin versteht es Sue Monk Kidd, Frauen eine Stimme zu geben, die sich dem Rollenverständnis ihrer Zeit widersetzen. »Das Buch Ana« ist eine spannende Geschichte weiblicher Selbstfindung in einer Zeit, in der Frauen Lernen und Schreiben verboten war. Ana folgt ihrer Sehnsucht, sie kämpft für ihre Freiheit, und sie schreibt die Geschichte, die wir alle zu kennen glauben, neu. (Quelle: Verlag)


Meine Meinung: 

Das gewählte Thema ist schon mutig, dachte ich beim erstmaligen Lesen. Die Jugend- und frühen Erwachsenenjahre von Jesus, in dessen Leben es in diesem Roman eine Ehefrau, Ana, gibt. Ich mag es, wenn Autor*innen historische Gegebenheiten neu und künstlerisch interpretieren- und ich kenne auch Sue Monk Kidd, die mit ihren Werken 'Die Bienenhüterin' und 'Die Erfindung der Flügel' nachhaltigen Eindruck in meinem Lesegedächtnis hinterlassen hat. Schon bei ihren vergangenen Werken zeigte sich, dass sie keine Angst hat Frauen eine Stimme zu geben und auch prekäre Themen zu bearbeiten (zum Beispiel traute sie sich, als weiße Autorin aus der Sicht eines schwarzen Sklavenmädchens zu schreiben). Ich mag mutige Frauen, und auch hier wird wieder ein Thema bearbeitet das bei manchen Leser*innen einen Aufschrei verursachen kann. Ich muss sagen, ich war restlos begeistert. Die sprachliche Virtuosität, die bunt gemalten Bilder in den Sätzen und die brilliant ausgearbeiteten Charaktere haben mich nachhaltig beeindruckt. Sue monk Kidd ist für mich der Garant für fesselnde Geschichten, die aber nie übertrieben oder gar schmalzig oder kitschig werden. Dafür sind sie immer berührend und bleiben ganz lange im Gedächtnis. Ganz großes Kino- die Protagonistin Ana ist ein Mädchen und später Frau, die mir sehr nahe war. Ich verstand ihre Nöte, ihre Ängste und weinte und lachte mit ihr, als sie durch ihr Leben ging. Als ich das Buch zuschlug und sie verlassen musste war es wie Abschied nehmen von einer Freundin. Wer dieses Buch nicht liest, ist selber schuld. 

Meine Bewertung: 💙💙💙💙💙


[Rezension] Romy Fölck- Die Rückkehr der Kraniche


Argon Hörbuch Verlag
9h 26min
16€
*Rezensionsexemplar*

Worum geht's? 

Ein altes Haus inmitten der Elbmarsch, die Kraft der Natur und drei Frauengenerationen, die nach Jahren dort wieder aufeinander treffen.
Zwei Schwestern mit unterschiedlichen Lebensentwürfen treffen aufeinander, als die Mutter im Sterben liegt. Im alten Reetdachhaus in der Elbmarsch müssen sich die Hansen-Frauen ihrer Vergangenheit stellen, mit all ihren Geheimnissen und Fragen, und lernen, dass ein Ende immer auch ein Anfang sein kann.
Nach langer Zeit treffen die Schwestern Grete und Freya in ihrem Elternhaus wieder aufeinander. Ihre Mutter Wilhelmine hat einen Schwächeanfall erlitten, Freya kommt sofort aus Berlin angereist. Sie will helfen, aber mehr noch ihrem eigenen Leben entfliehen. Ihr Freund hat sie verlassen, und damit die letzte Hoffnung auf die Gründung einer eigenen Familie.
Grete ist ebenfalls Single, sie ist ihr Leben lang im kleinen Dorf an der Elbe geblieben, eine frühe Schwangerschaft machte ihre Träume von der weiten Welt zunichte. Sie kümmerte sich erst um ihre Tochter Anne, dann brauchte Wilhelmine mehr und mehr Unterstützung mit Haus und Hof. Gretes Zufluchtsort ist die Natur, der Garten, vor allem aber das Naturschutzgebiet an der Elbe, wo sie als Vogelwartin arbeitet. Als sich jetzt, kurz vor ihrem fünfzigsten Geburtstag, eine unerwartete Chance zum Ausbrechen bietet, auf die sie schon lange gehofft hat, braucht sie einmal die Unterstützung ihrer Familie mehr denn je.
Auch Anne kommt, um der Großmutter nahe zu sein. Das Verhältnis zu ihrer Mutter Grete ist angespannt – sicherlich auch, weil diese nie verraten hat, wer Annes Vater ist. Und auch Wilhelmine liegt ein Geheimnis auf den Lippen. (Quelle: Verlag) 

Meine Meinung: 

Ich hatte das Vergnügen, diesen Roman als Hörbuch zu hören. Vergnügen deshalb, weil die Leserin, Tessa Mittelstaedt, einfach hervorragend liest. Ihre Stimme ist grundsätzlich schon äußerst angenehm- sehr wichtig für mich, da bin ich wirklich pienzig. Ich kann ein Hörbuch nicht beenden, wenn mir die Vorlesestimme nicht wirklich zusagt. Auch nicht, wenn es 'nur' 9 1/2h dauert, wie diese gekürzte Ausgabe. Das war also zumindest kein Problem. Dann schaffte es die Leserin aber auch, jeder einzelnen Protagonist*in eine ganz charakteristische Stimme zu verleihen, die zu den Eigenheiten der Person passte. Mir machte das die Vorstellung auf jeden Fall viel leichter, und es machte das ganze einfach auch sehr erfrischend. 
Manchmal hatte ich das Gefühl, die Personen wären mir persönlich bekannt. Die Autor*in hat den Flair der beschriebenen Region (Elbmarsch) wahnsinnig plastisch eingefangen- ich roch richtiggehend das Wasser, die Gräser und das Sauerteigbrot- und hörte das Knarren der alten Dielen und das Rascheln des Reetdaches. Nicht jede Figur war mir gleichermaßen sympathisch, aber alle waren nachvollziehbar gezeichnet und hatten eine Seele. Das Erzähltempo war eher gemütlich, ruhig, passte absolut zur Handlung, die sich in aller Ruhe entfaltete. Gut gefallen hat mir auch besonders, dass die Autor*in mit Anna auch eine Person eingebracht hat, die die Diversität im Roman erhöhte. Dabei wirkte es aber nicht erzwungen oder bemüht (wie so oft) sondern fügte sich organisch in Handlung und Charakterentwicklung ein. Alles in Allem auf jeden Fall ein rundes Erlebnis- das Einzige was ich unnötig fand war die Kürzung, denn auch die ungekürzte Version ist jetzt nicht unglaublich lang. Hin und wieder merkte man es auch ein wenig, fand ich. Das war ein wenig schade. Sonst muss ich aber sagen, ich habe mich beim hören sehr gut unterhalten gefühlt. 

Meine Bewertung: 💙💙💙💙🤍



[Rezension] Mariana Leky- Kummer aller Art

 

DuMont Verlag
176 Seiten
22€
ISBN 3832182160
*Rezensionsexemplar*

Worum geht's? 

»Alle wirken innerlich blitzblank, nur in unserem Inneren sieht es aus wie bei Hempels unterm Sofa«, denkt sich Kioskbesitzer Armin, als er vergeblich versucht, erfolgreich zu meditieren. Und auch im Inneren der anderen Figuren dieser literarischen Kolumnen herrscht Unordnung: Frau Wiese kann nicht mehr schlafen, Herr Pohl ist nachhaltig verzagt, Lisa hat ihren ersten Liebeskummer, Vadims Hände zittern, Frau Schwerter muss ganz dringend entspannen, ein trauriger Patient hat seine Herde verloren, und Psychoanalytiker Ulrich legt sich mit der Vergänglichkeit an. Kummer aller Art plagt die Menschen, die sich, mal besser, mal schlechter, durch den Alltag manövrieren. Aber der Kummer vereint sie auch, etwa, wenn auf Spaziergängen Probleme zwar nicht gelöst werden, aber zumindest mal an die Luft und ans Licht kommen.
Klug, humorvoll und mit großem Sinn für Feinheiten und Absurditäten porträtiert Mariana Leky Lebenslagen von Menschen, denen es nicht an Zutraulichkeit mangelt, wohl aber am Mut zur Erkenntnis, dass man dem Leben nicht dauerhaft ausweichen kann. (Quelle: Verlag) 

Meine Meinung: 

Man könnte ja meinen, ein Buch über Kummer wäre deprimierend und nicht gerade passend als Sommerlektüre. Wer aber die Autor*in kennt, kann sich vielleicht schon eher vorstellen dass das ganze nicht in tränennasse Kissen und schwere Melancholie abgleitet. Der lockere, humorvolle Schreibstil macht das Büchlein zur vergnüglichen Lektüre. Das Ganze ist ja eine Sammlung von Kolumnen der Autor*in, das heißt es sind mehrere Geschichten und kein zusammenhängender Roman in dem Sinne- und ich finde, das lockert das Ganze noch mehr auf und lässt sich sehr angenehm lesen. Auch wenn man nur dosiert lesen will, immer ein, zwei Geschichten am Tag zum Beispiel, geht das sehr gut. Trotz der relativen Kürze der Geschichten vermag es Frau Leky, einem das Schicksal der Figuren nahe zu bringen. Ich fühlte auf jeden Fall mit ihnen mit, und es ist eine Kunst, dies in diesem Umfang zu transportieren. Mein Mißtrauen, dass das Büchlein zu deprimierend sei, war nach wenigen Seiten zerstreut. Dazu muss ich sagen, ich bin sonst kein Fan von Kurzgeschichten- ich begleite Figuren in Romanen lieber über längere Zeit, gewinne sie lieb und vermisse sie dann am Ende wie alte Freunde. Auch Charakterentwicklung- etwas das mir sonst sehr wichtig ist- ist in Kurzgeschichten nur begrenzt möglich. Es hat sich in diesem Fall aber absolut gelohnt, über den Tellerrand zu schauen. So oft musste ich bei der Lektüre grinsen und kichern und die Autor*in hat mich auf jeden Fall dazu gebracht, mein Urteil bezüglich Kurzgeschichten in Zukunft zu überdenken. 


Meine Bewertung: 💙💙💙💙🤍