Posts mit dem Label Märchen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Märchen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

[Rezension] Nina Blazon- Ich träumte von einer Bestie


Hier kaufen
22€
448 Seiten
ISBN 3365003002
Reziexemplar
Worum geht's? 


Fleurs Leben ist das Internet. Dieser Ort bietet der Datenforensikerin im Gegensatz zur realen Welt Geborgenheit. Als Fleur die Wohnung ihrer verhassten französischen Großmutter erbt, wird sie mit ihrer ungeklärten Familiengeschichte konfrontiert. Auf den Spuren ihrer Ahnen reist Fleur nach Frankreich in die Auvergne. Dort stößt sie auf ein dunkles Geheimnis, das bis in die Zeit der Aufklärung zurückreicht. Dabei blickt sie auch einer Bestie ins Gesicht, die das Schicksal ihrer Familie seit Generationen überschattet. Nach dieser Begegnung wird Fleur für immer eine andere sein.

Nina Blazon führt uns nach Frankreich und hin zu einer bekannten Legende: die Bestie des Gévaudan. (Quelle: Verlag)

Meine Meinung: 

Wenn es eines im literarischen Sektor gibt dem ich nicht widerstehen kann, dann sind es Adaptionen von Märchen und Legenden. Für Erwachsene, möchte ich betonen, also auch gerne düster und tiefgehend. In der Vergangenheit habe ich bereits einige sehr gute Beispiele davon kennen gelernt, wie beispielsweise die Bücher von Daniela Winterfeld, Christina Henry oder Madeline Miller. Ich liebe es mich so richtig in diese Geschichten fallen zu lassen, mich hinwegzuträumen. Meistens haben sie mystische Anklänge oder gehen in den Bereich der Fantasy, einfach der Tatsache geschuldet dass auch Märchen und Legenden meistens einen nicht zu vernachlässigenden übersinnlichen Einschlag haben. 
Das war es also, womit ich auch bei diesem Roman zuerst gerechnet hatte. Dies kann ich auf jeden Fall schon einmal entkräften: Der Roman gehört für mich keinesfalls in das Genre der Fantasy. Obgleich die Autorin sich einige Dinge ausgedacht hat die so nicht existieren, wie sie im Nachwort erklärt, bleiben diese fiktionalen Fakten doch immer ausgerichtet an real existierenden Gegebenheiten. Ich muss zugeben, ganz zu Anfang mochte ich die Protagonistin Fleur nicht leiden. Sie war spröde, bärbeißig und verschlossen und ich bekam keinen rechten Zugang zu ihr. Überhaupt waren die ersten Seiten des Romans für mich eher holprig, wirkten typisch betulich deutsch, wenn auch sprachlich von Beginn an sehr schön zu lesen. 
Aber dann, so nach 50 Seiten, packte es mich. Als im Laufe des Romans auch immer mehr von Fleurs Hintergrund offenbar wurde, machte ich meinen Frieden mit ihrer Art, die im Nachhinein für mich nachvollziehbar wurde und ziemlich gut dazu passte. Ebenso die Art ihrer Familie, bei denen mir zu Anfang nur Bruder und Stiefvater sympathisch waren. Was die äußere Form angeht, so hatte ich einen Roman erwartet wie ich ihn bei solchen Themen kenne: Auf zwei Zeitebenen erzählt. Unter uns, das empfinde ich langsam als wirklich zu Tode geritten, es entlockt mir nur noch ein Schnarchen. Ich hüpfte innerlich vor Freude als ich erkannte, dass die Autorin hier komplett darauf verzichtet- obgleich wir uns natürlich mit der Vergangenheit beschäftigen, uns der Legende von Gévaudan immer weiter annähern, ist die Handlung doch die ganze Zeit in der Gegenwart angesiedelt, was mir SEHR gut gefiel. Und überraschenderweise gelingt es Nina Blazon trotzdem, die Vergangenheit lebendig werden zu lassen. 
Wer wirklich mal ein bißchen Frankreich fühlen will, ist hier gut aufgehoben. Immer wieder werden französische Ortschaften beschrieben, Charaktere erschlossen und die französische Sprache eingestreut. Aber immer wirkte es organisch, nie bemüht oder überhöht, und: Es liest sich, als würde die Autorin die Landschaft des Gévaudan genau kennen. Ich weiß nicht, ob sie dorthin gereist ist, aber ich könnte es mir gut vorstellen, so plastisch ist die Beschreibung, und, wichtig für mich: Der Flair. In dieser Hinsicht war der Roman wie ein Kurzurlaub für mich. Die Handlung selbst entfaltet sich wie eine hübsche Blume, wie es auch Fleur tut, die im Laufe der Geschichte immer mehr über sich selbst herausfindet und ihre eigentlichen Wurzeln erkennt. 
Wenn ich herausstellen müsste was mir in einem Roman am allerwichtigsten ist, so wäre das die Charakterentwicklung. Nichts fesselt mich so sehr wie Charaktere die einen Weg gehen und dabei glaubhaft begleitet werden. Das war es, was ich hier fand: Glaubhafte Charaktere, nachvollziehbare Motive, Entwicklung. 
Für mich war dieser Roman ein absolutes Highlight, ja, das muss ich wirklich sagen. Nachdem ich die ersten paar Seiten hinter mir hatte ließ er mich nicht mehr los, bis ich ihn zuschlug. Ich könnte mir sogar vorstellen ihn nochmal zu lesen, was ich sonst nie tue. Ich spreche eine unbedingte Leseempfehlung aus und vergebe die Maximalpunktzahl. Und natürlich werde ich die Autorin weiter im Auge behalten und hoffe innigst, dass es bald wieder etwas von ihr zu lesen geben wird, das so ein Feuerwerk in meinem Kopf entfacht. 

Meine Bewertung: 💙💙💙💙💙

[Rezension] Zeyn Joukhadar- Die Karte der zerbrochenen Träume


Kaufen
22€
448 Seiten
ISBN 3453271513
Reziexemplar

Worum geht's? 

Sommer 2011. Nour ist als Kind syrischer Einwanderer in New York geboren. Als ihr Vater stirbt, beschließt Nours Mutter, in ihre Heimat Syrien zurückzugehen. Doch das Syrien, das Nours Eltern noch kannten, gibt es nicht mehr. Schon bald erreicht der Krieg auch das ruhige Stadtviertel von Homs, in dem die Familie lebt. Als ihr Haus von einer Granate zerstört wird, fällt die Entscheidung, das Land zu verlassen. Ziel ist Spanien, und der Weg wird die Familie durch Jordanien, Ägypten, Libyen, Algerien und Marokko führen. Auf der Suche nach Trost und Ablenkung erzählt sich Nour während der Flucht die Fabel von Rawiya, einer jungen Abenteurerin, die sich im 12. Jahrhundert dem berühmten Kartografen al-Idrisi anschließt, um die Kunst des Kartenzeichnens zu erlernen. Viele Orte, die Rawiya durchreist, liegen auf der Route von Nour und ihrer Familie. Damals wie heute lauert Gefahr. Bis Nours Mutter vor einer Entscheidung steht, die die Familie für immer auseinanderreißen könnte.

Meine Meinung:
 

Der Roman behandelt ein Thema, das im Jahr 2023 aktueller den je ist. Immigration beinhaltet Geschichten, die wir in Zukunft noch wesentlich öfter lesen werden. 
Dieses Buch nun behandelt das Thema mithilfe zweier Erzählstränge, einen märchenhaft angehauchten und einen realistischeren. Ob man die verklärte Erzählweise von Krieg und Co. gutheißt, mag jede*r für sich selbst beurteilen- ich mag das gerne, zumal der Mensch dazu neigt, unerträgliche Zustände für sich ertragbar zu machen- ähnliche Ansätze kennen wir beispielsweise aus 'das Leben ist schön'. Insofern finde ich es eigentlich sehr passend, dass ein Kind sich eine Flucht zu einem Märchen macht. Ich kam eigentlich recht gut hinein in diesen Roman, obgleich der Kulturkreis fremd und die Probleme für eine Westeuropäerin weit weg sind (wenn auch, seit kurzem, nicht mehr ganz so weit weg). 
Identitätsverlust, Erhalten kultureller Bräuche und das Fremdheitsgefühl sind zentrale Punkte in dieser Geschichte. Neben einer reichen Geschichte islamischen Gelehrtentums erzählt der Roman eine Geschichte der Suche nach sich selbst, danach, was Heimat bedeuten kann, wie dramatische Erlebnisse besondere Bindungen zwischen Menschen entstehen lassen und welche Verzweiflung mit dem scheinbaren oder tatsächlichen Verlust der eigenen Identität einhergeht. Dabei liegt der Fokus vor allem auch darauf, wie man Karten lesen und verstehen kann und dass es bestimmte Dinge gibt, die auf Karten gar nicht verzeichnet sein können.
Leider gab es hier und da auch ein paar Längen und der märchenhafte Strang war mir etwas zu langatmig. Stellenweise ging mir das ganze geschichtlich etwas zu sehr ins Detail- und letzten Endes war auch ein bißchen zuviel Zufall im Spiel der die Figuren ereilte. 

Meine Kritikpunkte empfand ich doch schon als recht störend, sodass ich mit einem eher durchschnittlichen Leseerlebnis zurück bleibe. 

Meine Bewertung:   💙💙💙🤍🤍


[Rezension] C.E. Bernard- Die Schneekönigin


Kaufen
18€
368 Seiten
ISBN 3764532793
Reziexemplar
Worum geht's? 


Jeder kennt ihre Geschichte: Weit im hohen Norden lebt die Schneekönigin in ihrem kalten Palast. Sie ist ein Monster, das Kinder entführt und Eiskristalle in ihre Herzen treibt. Doch ich glaube nicht daran. Im Gegenteil: Ich will, dass die Schneekönigin mein Kind rettet! Denn die Gunst des Winters und seiner eisigen Stürme gehört meinem Reich seit Generationen. Erst als am Tag der Winterwende ein geheimnisvoller Luchs auftauchte, sandte die Schneekönigin mir ihren Zorn. Doch ich werde ihre drei Prüfungen bestehen und meinen Sohn retten. Sogar, wenn ich dabei selbst zu Eis erstarren werde ...

Meine Meinung: 

Ich kannte C.E. Bernard von ihrer Palace Saga, bei der ich damals eine der Leserinnen der ersten Stunde war. Damals machte ich die Erfahrung dass die Idee einfach großartig war, das ganze aber leider ab dem zweiten Band in eine seichte Liebesschmonzette mit typischem Hin und Her abdriftete. Deshalb war ich bei der Schneekönigin auf der Hut. Aber bezüglich der Romantik hätte ich mir keine Sorgen machen müssen- die Protagonistin Greta ist seit langem verheiratet und die Beziehung steht nicht im Vordergrund. Generell ist das Setting nicht historisch genau, es ist politisch korrekt (weibliche Burgherrin, Holzfällerinnen, systemische Entscheidungen in der Gemeinschaft). Die Autorin löst das so, dass es sich um eine Insel im Fjord handelt die ausser im tiefen Winter vom Festland und somit dem normalen 19. Jahrhundert abgeschnitten ist. Somit hat sich ein eigenes Habitat gebildet, in dem andere gesellschaftliche Regeln gelten. Da es sich um ein Märchen handelt das gar keinen Anspruch auf historische Genauigkeit erhebt, konnte und kann ich damit leben und finde es gut gelöst. Hier zeigt sich die erste Gesellschaftskritik, die ziemlich organisch in die Geschichte eingewebt ist (Frauen auf dem Festland dürfen nicht arbeiten, sind nicht gleichberechtigt etc.). Aus diesen Gründen möchte die Burgherrin Greta vermeiden, aufs Festland zu ziehen, als es auf der Insel Schwierigkeiten gibt. Generell ist 'die Schneekönigin' sehr gelungen. Ich finde man kommt gut an die Charaktere heran- gleichwohl handelt es sich natürlich um eine klassische Heldenreise, ein klassisches Abenteuer- aber es ist definitiv ein Abenteuer für Erwachsene, denn es ist schonungslos, mystisch, düster und stellenweise auch grausam. Was mir sehr gut gefallen hat war, dass die Autorin auf das klassisch kitschige Ende verzichtet und eine Welt zeichnet, in der es kein wirkliches Happy End geben kann. Ein Twist am Ende des Märchens hat mich schon ziemlich überrascht- und auch die Probleme der Gegenwart (Klima) wird gekonnt in die Geschichte eingewebt. Als eingefleischte Feministin hat mich gefreut, dass es fast nur weibliche Hauptfiguren gibt. Für mich ein sehr lesenswertes Buch mit einer Sache die mir nicht gefallen hat- die ich aber nicht spoilern will. Somit gibt es von mir 4 gute Herzchen. 


Meine Bewertung: 💙💙💙💙🤍

[Rezension] Stephen King- Fairy Tale

 
Heyne Verlag
880 Seiten
28€
ISBN 3453273990
*Reziexemplar*
Worum geht's? 

Der siebzehnjährige Charlie Reade hat kein leichtes Leben. Seine Mutter starb, als er drei war, und sein Vater ist dem Alkohol verfallen. Eines Tages offenbart ihm der von allen gemiedene mysteriöse Nachbar auf dem Sterbebett ein Geheimnis, das Charlie schließlich auf eine abenteuerliche Reise in eine andere, fremde Welt führt. Dort treiben mächtige Kreaturen ihr Unwesen. Die unterdrückten Einwohner sehen in Charlie ihren Retter. Aber dazu muss er erst die Prinzessin, die rechtmäßige Gebieterin des fantastischen Märchenreichs, von ihrem grausamen Leiden befreien. (Quelle: Verlag) 

Meine Meinung: 

Stephen King empfinde ich als Autor als sehr heterogen- heißt, seine Werke sind sehr unterschiedlich und er gehört deswegen nicht zu den Autor*innen, die ich blind kaufen kann. Es ist sehr abhängig von seinem jeweiligen Roman, ob er mir gefällt. Und auch oft vom gewählten Thema. Generell lässt sich natürlich sagen: Am guten alten Kingschen Schreibstil gibt es eigentlich nie was zu meckern, weder dieses Mal noch ansonsten. Anständige Dialoge, anspruchsvolle Sätze und ausbalancierte Beschreibungen. Der Klappentext sagt es ja schon: Wir brechen auf in eine fremde Welt. Solche Geschichten beinhalten immer die Gefahr, dass diese Welt entweder totbeschrieben wird (wie bei Tolkien) oder komplett oberflächlich und ohne Emotionen daherkommt. In diese Falle tappt King hier nicht- ich empfand das ganze als sehr harmonisch. Es wird genug beschrieben und ausgestaltet dass ich mich wohl und wirklich in einer fremden Welt angekommen fühlte, aber nicht so viel, dass es mich gelangweilt hätte. Bei einem Roman von 880 Seiten ist der nächste Punkt besonders wichtig: Die Protagonisten. Nichts ist schlimmer als sich durch einen Roman in der Dicke eines Ziegelsteins zu quälen und den Hauptprotagonisten nicht leiden zu können, weil er einfach mies beschrieben wird oder blass und farblos bleibt. Charlie Reade war seit Langem endlich wieder einmal ein Protagonist, den ich sehr mochte, an dessen Schicksal mir etwas lag und mit dem ich mitfühlen konnte. Er ist nicht perfekt, weiß Gott nicht, aber er ist ein glaubwürdiger Jugendlicher mit Ecken und Kanten und dabei doch einem guten Herzen. Ein Mensch, den man mögen kann. Doch wurden auch hier die Nebenfiguren nicht vergessen- vielmehr, aus dem Klappentext geht die eigentliche geheime Heldin des Romans noch nicht hervor: Radar, die Schäferhündin. Selten habe ich eine so plastische Beschreibung und Charakterisierung eines Hundes gelesen (sogar das hochwertige Futter das sie frisst, gibt es wirklich). Für die Handlung ist Radar fundamental wichtig, und ihr kommt auch die Bedeutung zu, die das verdient. Als kleine Fußnote möchte ich hier für andere Hundeliebhaber*innen anmerken (Spoiler "Schicksal des Hundes" (markieren zum Lesen):
Ihr geschieht nichts und sie überlebt. Das hat mich wirklich glücklich gemacht, da ich tote Tiere als Stilmittel in Büchern überhaupt nicht leiden kann und King leider dazu neigt. Umso erfreuter war ich, dass der Kelch diesmal an uns vorübergeht. 
Es dauert einige Zeit, bis die Handlung wirklich beginnt: Etwas über 200 Seiten dauert es, bis die fremde Welt und das Abenteuer überhaupt in Erscheinung tritt. Für manche mag das zäh sein, ich fand es klasse- denn der Autor nutzt hier die Möglichkeit, seine Figuren in aller Ruhe einzuführen und mit Hintergrund zu unterfüttern. So wirkt nichts was die Figuren tun überhastet oder nicht nachvollziehbar. 

Unterm Strich sage ich: Der Roman hat sich echt gelohnt, ich hatte schon lange nicht mehr soviel Spaß. Aber man sollte wirklich keine Angst vor dicken Büchern haben. Ich habe wirklich jede Seite genossen. 


Meine Bewertung: 💙💙💙💙💙

[Rezension] Erin Morgenstern- Das sternenlose Meer

 

Blessing Verlag




Klappentext:

Eigentlich arbeitet Zachary Ezra Rawlins an seiner Promotion, doch er kommt nicht weiter. Denn immer, wenn er in der Bibliothek ist, sucht er ein Buch auf, das zwischen den Regalen versteckt liegt. Ein Buch, in dem Zachary eines Tages eine Schilderung seiner eigenen Kindheit findet. Aber wie ist das möglich? Auf der Suche nach dem Geheimnis dieses Buches entdeckt Zachary eine unterirdische Welt voller Bücher am Ufer eines sternenlosen Meers, wo er schließlich eine Verschwörung aufdecken und für die Liebe seines Lebens kämpfen muss.



Meine Meinung: 

Hm. Tja. Hm. Es begann bei mir damals mit dem Lesen von Erin Morgensterns Erstling, dem Nachtzirkus. Das Buch fand ich damals furchtbar- es war holzschnittartig und obgleich die Autorin eine bildhafte, träumerische Schreibweise bot blieben ihre Charaktere blass und archetypisch. Es war meiner Meinung nach ein Debüt, das Entwicklung versprach. Eines wusste ich: Der Schreibstil würde nie das Problem der Autorin sein. 
Und genau deswegen wollte ich auch das zweite Buch der Autorin lesen- ich wollte einfach wissen, ob sie sich Kritk der Fans zu Herzen nimmt, ob sich ihr Stil weiterentwickeln würde. 
Auf jeden Fall lässt sich als Einleitung sagen, dass auch hier wieder ein wunderschöner Schreibstil herrscht. Die Autorin vermag es wirklich, sprachliche Bilder zu malen, eine Sprache zu kreieren, in der man sich verlieren kann. Es entstehen herrliche Szenerien die alle Sinne ansprechen. Das habe ich in dieser Stärke wirklich selten erlebt. 
Die Hauptfigur vermag es diesmal tatsächlich auch zu überzeugen. Zachary ist ein liebevoll ausgestalteter Charakter der, und das ist mir immer besonders wichtig, nachvollziehbar fühlt und handelt. Der Schwachpunkt ist und bleibt die Handlung. Die ist im Vergleich zum Vorgänger auf jeden Fall komplexer- aber manchmal auch etwas zu verworren. Manchmal machte es den Eindruck als versuchte ich, ein Kleid in einen ohnehin bereits vollen Koffer zu stopfen- zuviel von allem, zu viele Sprünge, zu viele lose Enden, zuviel verschiedene Wege. Im Großen und Ganzen muss ich sagen, das Leseerlebnis war spürbar besser- aber mich von den Füßen zu reißen, das wird die Autorin vermutlich nicht mehr schaffen. Wer es gerne mystisch verklärt mag und gerne in schöner Sprache schwelgt und ein Märchen erleben will, ist hier richtig und wird sicherlich glücklich mit diesem Roman sein. 

[Rezension] Daniela Winterfeld- Der geheime Name

Knaur Verlag
528 Seiten
ISBN- 978-3426511275
Klappentext: 

Rumpelstilzchen wollte das Kind der Königin. Er bekam es nicht. Jahrhunderte später schließt ein anderes Wesen seiner Art einen neuen Pakt - und wird ebenfalls betrogen. Seitdem sucht es unablässig nach dem Kind ... Seit sie denken kann, ist Fina mit ihrer Mutter auf der Flucht. Doch jetzt, mit 19, will sie endlich ein richtiges Zuhause finden und zieht zu ihrer Großmutter, die am Rand eines düsteren Moores lebt. Das Moor fasziniert Fina vom ersten Moment an - genau wie der geheimnisvolle Junge, der dort lebt. Weder Fina noch der Junge ahnen, dass sie beide nur Figuren in einem Spiel sind, das dem betrogenen Wesen endlich seinen Lohn bringen soll ...

Meine Meinung: 

Schon lange lange lange hat mich kein Buch mehr so fesseln können wie diese Märchenadaption. Die Frage die sich stellt, bzw. die im Raum steht: Was wollte Rumpelstilzchen eigentlich mit dem Kind tun, sobald er es hat? Was plant ein Jahrhunderte altes Wesen mit einem Menschenkind?
Dieser Roman gibt eine Antwort auf diese Fragen. Eingebettet ist die Handlung in eine höchst faszinierende Gegend- ein Moor in der Lüneburger Heide. Der Autorin gelingt es die Umgebung derart bildlich zu beschreiben dass man das Gefühl hat, man ist ebenfalls dort. Das habe ich so stark empfunden wie selten zuvor, ich habe mit allen Sinnen an diesem Buch teilgenommen und es hat es sogar geschafft mich dazu zu bringen, die Handlungsorte zu besuchen- und das will schon etwas heißen! Die Autorin hat in diesem Werk Grenzen übertreten, die normalerweise nicht in Märchenadaptionen übertreten werden. Sie schreckt vor sexueller Gewalt ebenso wenig zurück wie vor Traumata. Ich habe durchaus das ein oder andere Mal schlucken müssen, denn der geheime Name mag eine Märchenadaption sein- doch es ist unbedingt für Erwachsene. Nichts daran ist unschuldig oder wattig, wir werden tatsächlich voll in die Geschichte gestoßen und erleben Angst, Verrat, Liebe und Gier (in jeglicher Hinsicht). Und über allem wabert der düstere Nebel des Moors. Wenn ich mir ein Buch backen müsste, wäre es der geheime Name. Das Buch ist sofort in die Top 5 meiner allerliebsten Bücher geschossen und wird dort auch erstmal bleiben. Ich konnte es nicht aus der Hand legen und bin nach mehrmaligem Lesen immer noch restlos begeistert von dieser Farbigkeit. Das schaffen nur wenige Bücher.


[Rezension] Peter S.Beagle- In Kalabrien

Klett Cotta Verlag
163 Seiten
ISBN- 978-3608962178

Klappentext: 

Claudio lebt zurückgezogen in den Bergen Süditaliens, fernab von allem modernen Leben. Allein seine Katzen, Kühe und Ziegen leisten ihm Gesellschaft. Eines Tages geschieht etwas Unfassbares: Ein Einhorn taucht in dem Weinberg hinter seinem Haus auf.

So atemberaubend und wunderschön das Einhorn ist, das urplötzlich vor ihm steht, es stellt Claudios Leben auf den Kopf. Der Plan, die Existenz des geheimnisvollsten aller Tiere geheim zu halten, scheitert. Und richtig gefährlich wird es, als neben aufdringlichen Journalisten auch gewalttätige Vertreter der Mafia sein abgeschiedenes Gut heimsuchen. Wie soll er, der nur den Postboten und seine anarchische Schwester als Freunde hat, das Einhorn schützen?

Meine Meinung: 

Es gibt viel Fantasy auf dem Markt, und die meiste erschöpft sich in vielen, vielen hundert Seiten, ohne einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Dieses Buch ist anders.

Der Inhalt ist schnell erzählt- ein einsam lebender Bauer sieht eines Tages ein Einhorn auf seinem Land. Und während er sich noch damit arrangiert dass das Wesen sein komplettes Leben ändert hat die Aussenwelt nichts besseres zu tun als zu versuchen, ihm und dem Einhorn den Frieden zu nehmen.

Dieses kleine Büchlein hat gerade einmal knapp 160 Seiten- ich hatte beim Lesen aber absolut nicht den Eindruck, als würde etwas fehlen. Die Sprache ist treffend und schafft es nicht nur das Notwendigste mitzuteilen ohne sich in sinnlosen Details zu verlieren, sondern schafft es auch, die vorkommenden Charaktere absolut treffend zu beschreiben- angefangen vom grummeligen Einsiedler bis zum anarchistischen Ziegenbock. Alle Charaktere sind wahnsinnig liebenswert und man hat sie gleich vor Augen, den eigensinnigen alten Mann und seine Tiere, die ihm als einzige Gesellschaft leisten (dürfen...). Das ist etwas, was manche Bücher auch auf 1000 Seiten nicht hinbekommen. Ich hatte keine großen Erwartungen, fand die Inhaltsangabe sogar ein wenig skurril und konnte mir kaum vorstellen, wie man so etwas anständig präsentiert ohne ins Kitschige oder Ausgelatschte abzudriften.
Hier ist das gelungen. Dieses Buch ist ein absolutes Juwel, ein wundervolles Märchen und voller Weisheit und zarter Mitteltöne. Ich bin begeistert.