Posts mit dem Label geheimtipp werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label geheimtipp werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

[Rezension] Nina Blazon- Ich träumte von einer Bestie


Hier kaufen
22€
448 Seiten
ISBN 3365003002
Reziexemplar
Worum geht's? 


Fleurs Leben ist das Internet. Dieser Ort bietet der Datenforensikerin im Gegensatz zur realen Welt Geborgenheit. Als Fleur die Wohnung ihrer verhassten französischen Großmutter erbt, wird sie mit ihrer ungeklärten Familiengeschichte konfrontiert. Auf den Spuren ihrer Ahnen reist Fleur nach Frankreich in die Auvergne. Dort stößt sie auf ein dunkles Geheimnis, das bis in die Zeit der Aufklärung zurückreicht. Dabei blickt sie auch einer Bestie ins Gesicht, die das Schicksal ihrer Familie seit Generationen überschattet. Nach dieser Begegnung wird Fleur für immer eine andere sein.

Nina Blazon führt uns nach Frankreich und hin zu einer bekannten Legende: die Bestie des Gévaudan. (Quelle: Verlag)

Meine Meinung: 

Wenn es eines im literarischen Sektor gibt dem ich nicht widerstehen kann, dann sind es Adaptionen von Märchen und Legenden. Für Erwachsene, möchte ich betonen, also auch gerne düster und tiefgehend. In der Vergangenheit habe ich bereits einige sehr gute Beispiele davon kennen gelernt, wie beispielsweise die Bücher von Daniela Winterfeld, Christina Henry oder Madeline Miller. Ich liebe es mich so richtig in diese Geschichten fallen zu lassen, mich hinwegzuträumen. Meistens haben sie mystische Anklänge oder gehen in den Bereich der Fantasy, einfach der Tatsache geschuldet dass auch Märchen und Legenden meistens einen nicht zu vernachlässigenden übersinnlichen Einschlag haben. 
Das war es also, womit ich auch bei diesem Roman zuerst gerechnet hatte. Dies kann ich auf jeden Fall schon einmal entkräften: Der Roman gehört für mich keinesfalls in das Genre der Fantasy. Obgleich die Autorin sich einige Dinge ausgedacht hat die so nicht existieren, wie sie im Nachwort erklärt, bleiben diese fiktionalen Fakten doch immer ausgerichtet an real existierenden Gegebenheiten. Ich muss zugeben, ganz zu Anfang mochte ich die Protagonistin Fleur nicht leiden. Sie war spröde, bärbeißig und verschlossen und ich bekam keinen rechten Zugang zu ihr. Überhaupt waren die ersten Seiten des Romans für mich eher holprig, wirkten typisch betulich deutsch, wenn auch sprachlich von Beginn an sehr schön zu lesen. 
Aber dann, so nach 50 Seiten, packte es mich. Als im Laufe des Romans auch immer mehr von Fleurs Hintergrund offenbar wurde, machte ich meinen Frieden mit ihrer Art, die im Nachhinein für mich nachvollziehbar wurde und ziemlich gut dazu passte. Ebenso die Art ihrer Familie, bei denen mir zu Anfang nur Bruder und Stiefvater sympathisch waren. Was die äußere Form angeht, so hatte ich einen Roman erwartet wie ich ihn bei solchen Themen kenne: Auf zwei Zeitebenen erzählt. Unter uns, das empfinde ich langsam als wirklich zu Tode geritten, es entlockt mir nur noch ein Schnarchen. Ich hüpfte innerlich vor Freude als ich erkannte, dass die Autorin hier komplett darauf verzichtet- obgleich wir uns natürlich mit der Vergangenheit beschäftigen, uns der Legende von Gévaudan immer weiter annähern, ist die Handlung doch die ganze Zeit in der Gegenwart angesiedelt, was mir SEHR gut gefiel. Und überraschenderweise gelingt es Nina Blazon trotzdem, die Vergangenheit lebendig werden zu lassen. 
Wer wirklich mal ein bißchen Frankreich fühlen will, ist hier gut aufgehoben. Immer wieder werden französische Ortschaften beschrieben, Charaktere erschlossen und die französische Sprache eingestreut. Aber immer wirkte es organisch, nie bemüht oder überhöht, und: Es liest sich, als würde die Autorin die Landschaft des Gévaudan genau kennen. Ich weiß nicht, ob sie dorthin gereist ist, aber ich könnte es mir gut vorstellen, so plastisch ist die Beschreibung, und, wichtig für mich: Der Flair. In dieser Hinsicht war der Roman wie ein Kurzurlaub für mich. Die Handlung selbst entfaltet sich wie eine hübsche Blume, wie es auch Fleur tut, die im Laufe der Geschichte immer mehr über sich selbst herausfindet und ihre eigentlichen Wurzeln erkennt. 
Wenn ich herausstellen müsste was mir in einem Roman am allerwichtigsten ist, so wäre das die Charakterentwicklung. Nichts fesselt mich so sehr wie Charaktere die einen Weg gehen und dabei glaubhaft begleitet werden. Das war es, was ich hier fand: Glaubhafte Charaktere, nachvollziehbare Motive, Entwicklung. 
Für mich war dieser Roman ein absolutes Highlight, ja, das muss ich wirklich sagen. Nachdem ich die ersten paar Seiten hinter mir hatte ließ er mich nicht mehr los, bis ich ihn zuschlug. Ich könnte mir sogar vorstellen ihn nochmal zu lesen, was ich sonst nie tue. Ich spreche eine unbedingte Leseempfehlung aus und vergebe die Maximalpunktzahl. Und natürlich werde ich die Autorin weiter im Auge behalten und hoffe innigst, dass es bald wieder etwas von ihr zu lesen geben wird, das so ein Feuerwerk in meinem Kopf entfacht. 

Meine Bewertung: 💙💙💙💙💙

[Rezension] Octavia E. Butler- Die Parabel vom Sämann

 

Hier kaufen
15€
448 Seiten
ISBN 3453534921
Rezensionsexemplar
Worum geht's? 

Wir schreiben das Jahr 2024. Klimawandel, Wirtschaftskrisen und ein politischer Rechtsruck haben das Leben in den USA von Grund auf verändert. Lauren Olamina lebt mit ihrer Familie in Kalifornien, relativ sicher vor Plünderern hinter hohen Mauern. Wer überleben will, muss Stärke zeigen, deswegen hütet Lauren ihr Geheimnis sorgfältig: Sie leidet an Hyperempathie – sie empfindet die Emotionen eines anderen Menschen so tief, als wären es ihre eigenen. Doch wenn sie will, dass ihre Stimme gehört wird, darf sie sich nicht länger hinter den Mauern verstecken. Also macht sich Lauren auf die Reise nach Norden, wo es noch Sicherheit und Jobs gibt. Was als Kampf ums Überleben beginnt, wird schnell zu sehr viel mehr: Der Geburt einer neuen Religion – und einer atemberaubenden Vision für die Zukunft der Menschheit.

Meine Meinung: 


Dies war mein erster Roman von Octavia E. Butler- der Name war mir bisher komplett unbekannt, vielleicht auch, weil ich nicht die typische Sciene-Fiction Leserin bin. Ich stelle mir unter Science Fiction immer die typische Story in Weltraumstädten und fremden Planeten vor- wurde mit diesem Roman aber daran erinnert, dass dieses Bild nicht immer stimmt- auch Utopien oder (in diesem Fall) Dystopien können zu diesem Genre gehören. 
Ja, wir sehen hier eine recht düstere Dystopie. Und es ist, wie ich finde, ziemlich beeindruckend, welche Sicht auf die Zukunft eine Autorin hatte, die bereits 2006 verstarb. Das Bild, das sie zeichnet, ist heute gar nicht mehr zu unwahrscheinlich. Eine Welt, viel zu warm und trocken, in der die Menschen auf der Suche nach Arbeit und Wasser gen Norden ziehen, da der Süden zunehmend unbewohnbar wird. Generell kein schönes Szenario, niemand vertraut anderen, es gilt das Recht des Stärkeren und Mitgefühl und Freude ist nur noch selten zu finden. In dieser Welt lebt nun Lauren, die die Gefühle anderer Menschen spürt als wären es ihre eigenen. In einer Welt voller Hass und Not eine zweifelhafte Ehre. Eines Tages ist sie gezwungen, ihr Zuhause zu verlassen- und nutzt dies als Start in ein neues Leben. Auf ihrer Wanderschaft begleitete ich sie auf jedem Schritt, teilte ihre Gedanken und lernte mit ihr Menschen kennen, die sich ihr anschlossen. Lauren ist eine unglaublich gut ausgestaltete Heldin, die sich (wohl aufgrund ihrer Gabe) eine gewisse Ethik und ein gutes Herz bewahrt hat. Der Roman hat mich emotional auf ganz vielen verschiedenen Ebenen erreicht, ich durchlebte das gesamte Gefühlsspektrum beim Lesen. Eine starke, weibliche Heldin, die aber nicht übertrieben wirkt sondern ein Mensch mit realistischen Träumen, Motiven und auch Schwächen ist. Die Gruppe von Menschen um sie herum, die sich durch sehr unterschiedliche Individuen auszeichnet, die alle ihre Eigenheiten mitbringen und meisterhaft gestaltet sind. Ich hatte zum Schluss das Gefühl, diese Menschen wirklich zu kennen. Lauren trägt in dieser düsteren Umgebung ein Licht vor sich her und reißt die Menschen mit. 
Wer Gewaltschilderungen nicht lesen kann oder Beschreibungen von Elend, wird mit diesem Roman nicht glücklich werden, denn die Autorin nimmt kein Blatt vor den Mund. Mord an Kindern kommt genauso vor wie Kannibalismus. Wer dies aber in die Geschichte eingebettet in Ordnung findet, der findet hier ein echtes Meisterwerk. Ich habe lange nicht mehr etwas zu packendes gelesen und werde mir in jedem Fall die Fortsetzung ebenfalls vornehmen, wenn sie nächstes Jahr herauskommt. Volle Punktzahl. 

Meine Bewertung:  💙💙💙💙💙





[Rezension] Damon Galgut- Das Versprechen

 


Luchterhand Literaturverlag
368 Seiten
24€
ISBN: 978-3-630-87707-5
*Rezensionsexemplar*

Worum geht's? 

Das Versprechen« erzählt vom zunehmenden Zerfall einer weißen südafrikanischen Familie, die auf einer Farm außerhalb Pretorias lebt. Die Swarts versammeln sich zur Beerdigung ihrer Mutter Rachel, die mit vierzig an Krebs stirbt. Die jüngere Generation, Anton und Amor, verabscheuen alles, wofür die Familie steht - nicht zuletzt das gescheiterte Versprechen an die schwarze Frau, die ihr ganzes Leben für sie gearbeitet hat. Nach jahrelangem Dienst wurde Salome ein eigenes Haus, eigenes Land versprochen ... doch irgendwie bleibt dieses Versprechen mit jedem Jahrzehnt, das vergeht, unerfüllt. (Quelle: Verlag)

Meine Meinung: 

Ich war von dem Thema, als ich davon las, ziemlich angetan. Grundsätzlich lese ich gerne Romane über Apartheid und Co. Ich erwartete eine interessante Geschichte mit tiefgründigen, spannend ausgestalteten Charakteren. Leider hatte ich schon am Anfang ein großes Problem- den Schreibstil. Das ganze Buch kommt ohne wörtliche Rede aus. Es fällt teilweise wahnsinnig schwer, den Gesprächen zu folgen und Dialoge von Fließtext zu unterscheiden. Damit kam ich nicht zurecht, es gibt aber Autor*innen, denen man trotzdem folgen kann. Leider kommt noch hinzu, dass der Autor zu großen Sprüngen neigt- teilweise wechselt innerhalb eines Satzes die Perspektive oder das komplette Thema, sodass es wahnsinnig anstrengend wird, dem roten Faden zu folgen. 
Die Handlung selbst bleibt merkwürdig oberflächlich, bleibt blass. Und die Charaktere, auf die ich mich gefreut hatte bleiben mir völlig fremd. Sie spielen irgendwie keine richtige Rolle- dass der Autor zusätzlich nur allzugern in Fäkalsprache abdriftet und der ganze Inhalt irgendwie sexualisiert wirkt kam als Sahnehäubchen oben drauf. Leider, leider war dieser Roman überhaupt gar nicht mein Fall. Weder Geschichte noch Stil haben mich überzeugt. 

Meine Bewertung: 💙 💙 🤍 🤍 🤍

Geheimtipp des Monats- August 2022

 

istock/Ponomariova_Maria


In dieser Kategorie tauche ich nach Perlen und bewege mich bewusst abseits der Bestsellerlisten. Heute reisen wir nach Afghanistan. 
Wer die Autorin noch nicht kennt, sollte sie dringend kennenlernen. Ich rede natürlich von der wunderbaren Nadia Hashimi! 




Luebbe Verlag
527 Seiten 
17,99 (e-book)


 'Das Licht von vierzig Monden' war eines von den Büchern in das man reinfällt und irgendwann merkt, dass man das Essen vergessen hat und dass es draußen aus irgendeinem Grund plötzlich dunkel ist. Sag es nicht weiter, aber dieser Roman war damals Schuld, dass ich eine Klausur verhauen habe und sie wiederholen musste. Ich wollte einfach lieber Zeba beistehen, die beschuldigt wurde, ihren Ehemann erschlagen zu haben. Die Ausgangslage ist eigentlich ziemlich klar... 

Worum geht's? 

Affäre, Ehebruch oder uneheliche Schwangerschaft – den meisten Insassinnen im Frauengefängnis von Kabul werden moralische Verbrechen zur Last gelegt. Doch bei Zeba ist das anders. Sie soll ihren Ehemann brutal erschlagen haben. Ist die dreifache Mutter wirklich eine kaltblütige Mörderin? Ihr Anwalt Yusuf, ein ehrgeiziger junger Mann mit amerikanischem Abschluss, ist von Zebas Unschuld überzeugt. Aber er kann diese nicht beweisen, solange Zeba ihm nicht anvertraut, was wirklich passiert ist …(Quelle: Verlag)


War sie es wirklich? 

Das ist natürlich die erste Frage, die ich mir stellte. Schon der Klappentext zeigt uns: Wir müssen erstmal davon ausgehen. Denn Zeba wird blutüberströmt in einem Hinterhof mit einer Tatwaffe über ihrem am Boden liegenden Mann stehend gefunden. Klarer Fall, oder? 

Jetzt geht's an Eingemachte... 

Das Spannende an dem Roman ist nicht die Frage, wer es war. Der Mann ist tot, das ist sicher. Die Frage, die die Geschichte so interessant macht und eine so ungeheure Sogwirkung entfaltet ist: Warum ist er tot? Warum sollte eine Ehefrau ihren Ehemann töten? Was sind das für Frauen, die mit Zeba im Gefängnis sitzen? Und wie verläuft ein Prozess, wenn das Wort der Angeklagten kein Gewicht hat? Ich würde den Roman nicht als klassischen Krimi bezeichnen- der Mord bildet nur den Rahmen für die Geschichte, die sich in Wahrheit um etwas ganz anderes dreht, nämlich um die Rolle der Frau in der afghanischen Gesellschaft und vor Gericht. Dort läuft ein Prozess nämlich ganz anders ab als bei uns- hier braucht eine weibliche Angeklagte zum Beispiel einen männlichen Fürsprecher, der vor Gericht ihre Aussage für glaubwürdig erklärt- einen Fürsprecher, der ihren Worten überhaupt erst Gehör verschafft. Schafft die Angeklagte es nicht, so jemanden aufzutreiben wird sie mit hoher Wahrscheinlichkeit drakonisch bestraft. Dass wir uns in der Wüste befinden und die Autorin es vermag, den heißen Wüstenwind so bildhaft zu beschreiben dass wir ihn spüren macht diesen Roman sehr passend für den August. Ich würde ihn als anspruchsvolle Liegestuhllektüre einstufen. Dieses Buch nimmt einen mit auf eine turbulente Reise in ein Land, dass sich in vielerei Hinsicht von Europa unterscheidet. Es bietet einen hervorragenden Einblick in die Kultur und rückt einem die Protagonistin sehr nahe. Mein Tipp: Lies dieses Buch- aber lies es erst, wenn deine eventuelle Klausurenphase abgeschlossen ist. 

Geheimtipp des Monats- Juli 2022

istock/Ponomariova_Maria

 


In dieser Kategorie tauche ich nach Perlen und bewege mich bewusst abseits der Bestsellerlisten. Heute habe ich dir ein Leckerli mitgebracht an dem du große Freude haben wirst, wenn dich 

1. Archäologie und 

2. Zeitreisen

interessieren. Die Rede ist von Bernhard Kegels 'Das Ölschieferskelett' .


Fischer Taschenbuch Verlag
448 Seiten
12€

Ich bin generell ja immer auf der Jagd nach Zeitreiseromanen. Es gibt wenig Themen die mich so anspringen wie dieses. Ich liebe es so sehr, in vergangene Zeiten abzutauchen und mich hinweg zu träumen. Je detaillierter und bunter diese Welt gestaltet ist, desto besser. Nun habe ich aber des Öfteren die immer gleichen Kritikpunkte bei Zeitreiseromanen- erstens finde ich, die Welten (egal ob Vergangenheit oder Zukunft) sind selten wirklich glaubhaft gestaltet. Sie wirken oberflächlich und lieblos, und oft könnte das, was dort spielt, genauso in der Gegenwart spielen- würde es nicht erwähnt würde man gar nicht merken dass wir uns in einer anderen Zeit befinden. 
Und zweitens: Die Liebe. Ja, die Liebe. Es ist kaum einmal ein Zeitreiseroman zu finden indem es nicht vordergründig darum geht dass Mr. Right gefunden wird (interessanterweise wird sogut wie nie eine Mrs. Right gesucht). Letzten Endes bietet die Zeitreise dann nur den (brüchigen) Rahmen für die Romanze, meist Schmonzette. Dieses Problem, oder sagen wir, dieser Umstand, hat mir schon so einige Romane vermasselt, die gut anfingen. Wird es mir zu dominant kann es durchaus sein, dass ich das Buch abbreche. Deswegen ist das Ölschieferskelett so ein Kuriosum. Es unterscheidet sich in gleich mehrfacher Hinsicht von anderen Zeitreiseromanen. Aber ich fange von vorne an. 
Der Roman spielt in Deutschland, genauer um die Grube Messel bei Darmstadt in Hessen.
 

Worum geht's? 

Der Paläontologe Dr. Helmut Axt, genannt Hackebeil, sucht im Ölschiefer der Grube Messel nach Fossilien. Doch das, was die weltbekannte Fundstätte bei Darmstadt diesmal preisgibt, lässt sein wissenschaftliches Weltbild einstürzen: Es sind die versteinerten Überreste eines Menschen mit Armbanduhr. Durch welches Zeitloch ist der Tote aus unserer Welt in den 50 Millionen Jahre alten Ölschiefer geraten? Axt tritt eine Reise an, die ihn viele Millionen Jahre zurück ins Eozän führt – in ein Erdzeitalter, in dem Menschen eigentlich nicht vorkommen dürften. Und doch ist er dort nicht allein. (Quelle: Verlag)

Ungewöhnliche Epoche... 

Die meisten Zeitreiseromane verorten sich im finsteren Mittelalter oder zur Jahrhundertwende. Dort lässt sich eben am besten 'der gutaussehende Gentleman' oder 'den tapferen Ritter' finden, die Epoche wird also oft deswegen so gewählt weil es am besten zur Liebesgeschichte passt, bzw. dort gewisse Archetypen bedient werden können. 'Das Ölschieferskelett' lässt uns in eine ganz andere Zeit springen- ins Eozän. Das Eozän fand vor 56- 33 Millionen Jahren statt, es befindet sich also jenseits allen Vorstellbaren. Das bedeutet, der Autor kann sich hier richtig schön ausleben- und das tut er. Es ist ein Wissenschaftsroman, das merkt man. Begriffe der Archäologie spielen eine große Rolle und auch der Alltag der Wissenschaftler. Das Erzähltempo ist eher gemütlich und hetzt nicht durch die Gegend. Das Buch lebt von der Beschreibung der Landschaften, vom Eintauchen in die Fremde. Es ist herrlich unaufgeregt und dennoch spannend, man entwickelt Freude an Ausgrabungen, selbst wenn es mal um etwas anderes geht als Dinosaurier. Ich habe beim Lesen viel Spaß gehabt- ein Buch, das auf jeden Fall eine Chance verdient. Ich würde sagen, es wendet sich an Leser*innen, die auch Schätzings 'Schwarm' mochten.