[Rezension] Gianna Molinari- Hinter der Hecke die Welt

 

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24€
208 Seiten
ISBN 335104173X
Reziexemplar
Worum geht's? 

Ein Dorf hat Angst vor dem Verschwinden. Deshalb trifft es Maßnahmen: Die bei den Touristinnen und Touristen beliebte Hecke wird gehegt und gepflegt, der Stand der Dorfkasse wird regelmäßig überprüft. Vor allem aber kümmert man sich um Pina und Lobo, denn die Kinder sind die Zukunft des Dorfes. Doch Pina und Lobo wachsen schon lange nicht mehr. Während das Dorf auf die Wachstumsschübe der Kinder wartet, beobachtet Pinas Mutter in der Arktis, wie das Eis schmilzt und Grenzen sich verschieben.
Nach ihrem gefeierten Debüt legt Gianna Molinari erneut ein eindrucksvolles Porträt über die wechselseitige Durchdringung von Natur und Kultur vor, einen Roman, der unsere Vorstellungen von Wachstum und Stillstand hinterfragt und dabei ebenso viel poetische wie politische Kraft entfaltet. 

Meine Meinung:

Seit Dörte Hansens 'Mittagsstunde' bin ich bekennender Dorfgeschichten- Fan. Der Mikrokosmos Dorf stellt für mich eine reizvolle Quelle faszinierender Geschichten dar. 
Das Dorf, in dem Pina und Lobo, die einzigen Kinder, leben, bildet den einen Erzählstrang. Der andere spielt in der Arktis, wo Pinas Mutter auf einer Expeditionsreise unterwegs ist. Im Grunde dreht sich das Buch auf zwei unterschiedlichen Ebenen um das Verschwinden- beleuchtet aus verschiedenen Perspektiven. Dora, Pinas Mutter, sieht in der Arktis die Auswirkungen des Klimawandels, die den meisten Menschen (noch) verborgen bleiben. Ein fragiles Ökosystem, in dem die Einmischung des Menschen stets ein Balanceakt bleibt. Wie hier mithilfe kleiner Anekdoten auf Missstände hingewiesen wurde, gefiel mir gut. Zwischendurch gibt es kleine eindrucksvolle Zeichnungen und Bilder, die diese verdeutlichen. Pina, mit ihrem Vater im Dorf verbleibend, sieht das Verschwinden der Dorfwelt. Keine weiteren Kinder oder Erben mehr, die über alles geliebte Hecke des Dorfes fällt einem Verbrechen anheim, Touristen werden sparsamer und bleiben schließlich ganz aus, Menschen gehen weg. 

Generell, so finde ich, ein spannender Roman, der gekonnt die beiden Ebenen miteinander verflechtet und im Kleinen wie im Großen zeigt, wohin wir steuern. Das Dorf als Parabel für menschliche Gesellschaften, das große Verschwinden der Dorfkultur und von Lebenswelten. Also, soweit eigentlich etwas, das mir gefiel. 

Was mir aber wirklich sauer aufstieß, ist der Preis des Buches. Für 208 Seiten, die so bedruckt sind dass oft nur einseitig Text ist und so einige Seiten aufgrund kleiner Zeichnungen halbleer, finde ich 24€ schon sehr knackig. Hätte ich das Buch nicht als Rezensionsexemplar bekommen, ich hätte es mir nicht gekauft. Hier empfehle ich dringend, auf die Taschenbuchausgabe zu warten. Die ist es dann aber auch wert. 

Meine Bewertung: 💙💙💙💙🤍



[Rezension] Octavia E. Butler- Die Parabel vom Sämann

 

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15€
448 Seiten
ISBN 3453534921
Rezensionsexemplar
Worum geht's? 

Wir schreiben das Jahr 2024. Klimawandel, Wirtschaftskrisen und ein politischer Rechtsruck haben das Leben in den USA von Grund auf verändert. Lauren Olamina lebt mit ihrer Familie in Kalifornien, relativ sicher vor Plünderern hinter hohen Mauern. Wer überleben will, muss Stärke zeigen, deswegen hütet Lauren ihr Geheimnis sorgfältig: Sie leidet an Hyperempathie – sie empfindet die Emotionen eines anderen Menschen so tief, als wären es ihre eigenen. Doch wenn sie will, dass ihre Stimme gehört wird, darf sie sich nicht länger hinter den Mauern verstecken. Also macht sich Lauren auf die Reise nach Norden, wo es noch Sicherheit und Jobs gibt. Was als Kampf ums Überleben beginnt, wird schnell zu sehr viel mehr: Der Geburt einer neuen Religion – und einer atemberaubenden Vision für die Zukunft der Menschheit.

Meine Meinung: 


Dies war mein erster Roman von Octavia E. Butler- der Name war mir bisher komplett unbekannt, vielleicht auch, weil ich nicht die typische Sciene-Fiction Leserin bin. Ich stelle mir unter Science Fiction immer die typische Story in Weltraumstädten und fremden Planeten vor- wurde mit diesem Roman aber daran erinnert, dass dieses Bild nicht immer stimmt- auch Utopien oder (in diesem Fall) Dystopien können zu diesem Genre gehören. 
Ja, wir sehen hier eine recht düstere Dystopie. Und es ist, wie ich finde, ziemlich beeindruckend, welche Sicht auf die Zukunft eine Autorin hatte, die bereits 2006 verstarb. Das Bild, das sie zeichnet, ist heute gar nicht mehr zu unwahrscheinlich. Eine Welt, viel zu warm und trocken, in der die Menschen auf der Suche nach Arbeit und Wasser gen Norden ziehen, da der Süden zunehmend unbewohnbar wird. Generell kein schönes Szenario, niemand vertraut anderen, es gilt das Recht des Stärkeren und Mitgefühl und Freude ist nur noch selten zu finden. In dieser Welt lebt nun Lauren, die die Gefühle anderer Menschen spürt als wären es ihre eigenen. In einer Welt voller Hass und Not eine zweifelhafte Ehre. Eines Tages ist sie gezwungen, ihr Zuhause zu verlassen- und nutzt dies als Start in ein neues Leben. Auf ihrer Wanderschaft begleitete ich sie auf jedem Schritt, teilte ihre Gedanken und lernte mit ihr Menschen kennen, die sich ihr anschlossen. Lauren ist eine unglaublich gut ausgestaltete Heldin, die sich (wohl aufgrund ihrer Gabe) eine gewisse Ethik und ein gutes Herz bewahrt hat. Der Roman hat mich emotional auf ganz vielen verschiedenen Ebenen erreicht, ich durchlebte das gesamte Gefühlsspektrum beim Lesen. Eine starke, weibliche Heldin, die aber nicht übertrieben wirkt sondern ein Mensch mit realistischen Träumen, Motiven und auch Schwächen ist. Die Gruppe von Menschen um sie herum, die sich durch sehr unterschiedliche Individuen auszeichnet, die alle ihre Eigenheiten mitbringen und meisterhaft gestaltet sind. Ich hatte zum Schluss das Gefühl, diese Menschen wirklich zu kennen. Lauren trägt in dieser düsteren Umgebung ein Licht vor sich her und reißt die Menschen mit. 
Wer Gewaltschilderungen nicht lesen kann oder Beschreibungen von Elend, wird mit diesem Roman nicht glücklich werden, denn die Autorin nimmt kein Blatt vor den Mund. Mord an Kindern kommt genauso vor wie Kannibalismus. Wer dies aber in die Geschichte eingebettet in Ordnung findet, der findet hier ein echtes Meisterwerk. Ich habe lange nicht mehr etwas zu packendes gelesen und werde mir in jedem Fall die Fortsetzung ebenfalls vornehmen, wenn sie nächstes Jahr herauskommt. Volle Punktzahl. 

Meine Bewertung:  💙💙💙💙💙





[Rezension] Ursula Poznanski- Oracle


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22€
432 Seiten
ISBN 3743216582
Reziexemplar
 Worum geht's? 


Ich sehe was, was du nicht siehst, und das wird wahr
Als Kind hat Julian merkwürdige Visionen. Das sind nur Fehlschaltungen im Hirn, sagt seine Therapeutin, bedeutungslose Trugbilder. Und mit den richtigen Medikamenten sind die auch verschwunden. Jahre später wird Julian mit einer schockierenden Erkenntnis konfrontiert. Einige seiner Visionen scheinen wahr geworden zu sein. Sieht er Schatten, die die Zukunft vorauswirft? Könnte er also schlimme Ereignisse verhindern? Oder tritt er damit noch größere Katastrophen los?

Meine Meinung: 

Ich bin ja ein Poznanski Fan der ersten Stunde, kenne alle ihre Jugendromane und habe jeden einzelnen davon geliebt (die Einen noch ein wenig mehr als die Anderen...). Was ich generell an ihren (Jugend-) Romanen mag ist ihre frische, spannende Art zu Schreiben und aktuelle und stets interessante Themen aufzugreifen. In ihrem neuesten Werk geht es den psychischen Erkrankungen an den Kragen. Der Protagonist, Julian, sieht sogenannte Marker an Menschen. Seine Umwelt vermittelt ihm, dass es sich dabei um eine psychische Störung handelt, während sich die Hinweise verdichten, dass es dies nicht ist, sondern Julian tatsächlich einem Orakel gleich in die Zukunft schauen kann. 
An sich also eine spannende Plotidee, die durchaus etwas für sich hat. Der Schreibstil ist absolut flüssig und angenehm wie wir es kennen, hier habe ich nichts zu meckern. 
Im Großen und Ganzen ist die Handlung vorhersehbar, und das ist auch völlig in Ordnung. Langsamer Aufbau der sich auf einen Showdown zubewegt, der schließlich alles auflöst. Soweit so gut. Was mich bei diesem Roman leider störte, war die Ausgestaltung der Charaktere. Wir reden hier von Studierenden, das heißt volljährigen Menschen die allein leben. Julian erschien mir doch sehr unreif und impulsiv, und besonders im Mittelteil musste ich mehrfach ins Buch beißen weil ich mir dachte: So benimmt sich doch keiner. Lichtblicke waren in jedem Fall Julians schillernder bester Freund Robin (ein Beweis dafür, wie organisch man queere Personen in Romanen einfügen kann) und der Love Interest Pia sowie ihr Hund Kinski. Wohingegen ich Charaktere wie Lars, den Antagonisten, absolut überzeichnet fand. Und der Konflikt zu ihm wird auch nicht aufgelöst am Ende des Buches. Ebenso waren für mich die Therapeutin Sonja und ihr Mann Armin in keinster Weise überzeugend, letzterer wirkte wie ein Teufel ex machina, der aus dem Hut gezaubert wurde aber später keine Rolle mehr spielte. Sonja selbst empfand ich als unglaubwürdig und oberlehrerhaft. Nochmal: Julian ist 18. Mir war hier ein bißchen zu sehr dominanter Zeigefinger zwischen den Seiten, die anderen Romane der Autorin habe ich nicht so wertend in Erinnerung. Unterm Strich war es für mich trotzdem ein spannendes Leseerlebnis, wenn auch nicht Poznanskis bestes Werk. Die deutlichen Schwächen in der Charakterkonstruktion haben mich durchaus gestört, es bleibt für mich daher ein schöner flüssiger Schmöker für einen verregneten Nachmittag. 

Meine Bewertung: 💙💙💙💙🤍

[Rezension]Emily Gunnis- Das Geheimnis des Mädchens

 

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12€
432 Seiten
ISBN 3453427688
Worum geht's?

England 1945: Als die junge Herrin von Yew Tree Manor bei der Geburt ihres Kindes stirbt, wird der Hebamme Tessa James der Prozess gemacht, obwohl sie als einzige alles unternommen hat, um die Frau zu retten. Dies treibt einen Keil zwischen die Familien Hilton und James, der sich mit den Jahren immer tiefer bohrt.

1969: Während einer Silvesterfeier verschwindet Alice Hilton, die sechsjährige Tochter des Hauses, aus Yew Tree Manor – und taucht nie wieder auf.​

Heute: Als erneut ein Mädchen auf dem Anwesen von Yew Tree Manor verschwindet, weiß Willow James, dass sie das Geheimnis der Hebamme, ihrer Ururgroßmutter, lüften muss, damit sich die Geschichte nicht auf grausamste Art wiederholt


Meine Meinung:

Das Geheimnis des Mädchens von Emily Gunnis ist ein fesselnder historischer Roman, der uns in die 1950er Jahre zurückführt. Die Geschichte spielt in einem kleinen Dorf an der Küste von Cornwall und erzählt von einer jungen Frau namens Alice, die in den Wirren des Zweiten Weltkriegs spurlos verschwand.

Das Buch beginnt mit der Ankunft der Protagonistin Samantha Harper, die als Redakteurin für ein Magazin arbeitet und den Auftrag hat, eine Geschichte über das Dorf und seine Bewohner zu schreiben. Sie wird von der Geschichte Allices und ihrer Familie angezogen und beginnt zu graben, um das Geheimnis um ihr Verschwinden aufzudecken. Dabei deckt sie dunkle Familiengeheimnisse auf, die die Dorfbewohner seit Jahrzehnten verbergen.

Gunnis hat einen brillanten Schreibstil, der es dem Leser ermöglicht, tief in die Geschichte einzutauchen und die Emotionen und Gedanken der Charaktere zu verstehen. Die Geschichte wird aus der Perspektive verschiedener Charaktere erzählt, was dazu beiträgt, dass der Leser das Gefühl hat, eine Vielzahl von Perspektiven und Einblicke in die Geschichte zu bekommen.

Die Charaktere sind gut entwickelt und haben alle ihre eigenen Hintergrundgeschichten und Geheimnisse, die im Laufe der Handlung enthüllt werden. Besonders beeindruckend ist die Darstellung der Frauen im Buch, die stark, klug und unabhängig sind und trotz der Vorurteile und Einschränkungen, die ihnen als Frauen auferlegt werden, ihren Weg gehen.

Das Buch ist eine perfekte Mischung aus Historie und Mystery und hält den Leser bis zum Ende in Spannung. Die verschiedenen Handlungsstränge sind so miteinander verflochten, dass am Ende alles einen Sinn ergibt und die Geschichte zufriedenstellend abschließt.

Insgesamt ist Das Geheimnis des Mädchens von Emily Gunnis ein hervorragend geschriebener Roman, der es schafft, den Leser in eine vergangene Zeit und in die Welt der Charaktere zu versetzen. Eine klare Empfehlung für alle Fans von historischen Romanen und Mystery-Geschichten.

[Rezension]Nikki Erlick- Die Vorhersage

 

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22€
480 Seiten
ISBN 3453322444
Worum geht's?

Als Nina eines schönen Morgens ihre Wohnungstür öffnet, findet sie eine schlichte Holzbox. Darin verbirgt sich ihr Lebensfaden. Wenn sie die Box öffnet, wird sie erfahren, wie viele Jahre ihr noch bleiben. Und sie ist nicht die Einzige, die dieses »Geschenk« bekommt. Überall auf dem Globus – sei es nun im New Yorker Apartment, in einer Hütte in den Bergen oder einem Beduinenzelt – hat jeder Volljährige eine Box erhalten und fragt sich: Will ich wirklich wissen, wann ich sterben muss?

Einfühlsam und klug erzählt Nikki Erlick, was mit der Gesellschaft, mit Beziehungen und mit jedem einzelnen Individuum passiert, wenn uns die eigene Sterblichkeit drastisch vor Augen geführt wird. »Die Vorhersage« ist ein berührender Roman über das Leben und das Sterben, über Freundschaft und Liebe und über das Menschsein selbst.


Meine Meinung:

Die Vorhersage von Nikki Erlick ist ein außergewöhnlicher Roman, der voller Spannung und unvorhersehbarer Wendungen steckt. Von Anfang an konnte ich mich in die Geschichte hineinversetzen und mich in die Protagonistin Lyra hineinversetzen. Ihre Entwicklung von einer unsicheren Frau zu einer starken und unabhängigen Figur ist beeindruckend und inspirierend.

Die Handlung spielt in einer Welt voller Geheimnisse und Intrigen, die sich nach und nach entfalten und den Leser in ihren Bann ziehen. Besonders faszinierend fand ich die Idee der Vorhersage selbst - eine Fähigkeit, die sowohl gefürchtet als auch verehrt wird und Lyra in die Mitte eines epischen Konflikts bringt.

Nikki Erlick hat eine unglaublich detaillierte und fesselnde Welt erschaffen, die mich beim Lesen immer weiter in ihren Bann gezogen hat. Die Charaktere sind gut ausgearbeitet und jeder hat seine eigene Geschichte und Motivation, die zur Gesamthandlung beiträgt.

Ein Kritikpunkt, den ich anmerken muss, ist die manchmal etwas langsame Handlungsentwicklung. Obwohl dies dazu beiträgt, die Atmosphäre und Spannung aufzubauen, könnte es für einige Leser möglicherweise einen kleinen Dämpfer darstellen.

Insgesamt ist Die Vorhersage von Nikki Erlick ein fesselndes und einzigartiges Lesevergnügen, das die Vorstellungskraft anregt und das Lesen bis weit nach Mitternacht lohnt. Ich kann es jedem empfehlen, der auf der Suche nach einem fesselnden Fantasy-Roman ist, der mitreißend und unvorhersehbar ist.

[Rezension]Susanne Goga- Glasgow Girls

 

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12€
384 Seiten
ISBN 3453361202
Rezensionsexemplar
Worum geht's?

Glasgow 1892 – Als die aus ärmlichen Verhältnissen stammende Olivia die Chance erhält, an der berühmten School of Art zu studieren, glaubt sie, am Ziel ihrer Träume zu sein. Doch sie ist nicht vorbereitet auf die für sie fremde Welt und die Intrigen, in die sie gerät. Dank einer einflussreichen Mäzenin setzt Olivia aber wagemutig und lebenshungrig ihren Weg als Designerin fort. Und sie lernt Gabriel kennen, einen schillernden Künstler aus London. Sein gut gehütetes Geheimnis gefährdet jedoch die tief empfundenen Momente des gemeinsamen Glücks ...


Meine Meinung: 

Glasgow Girls von Susanne Goga ist ein beeindruckender Roman, der auf eine wahre Geschichte basiert und den Leser in eine Zeit und eine Stadt voller politischer und sozialer Konflikte entführt. Die Geschichte ist in den 1920er Jahren in Glasgow angesiedelt und handelt von einer Gruppe von Frauen, die sich gemeinsam für die Rechte von Frauen und Arbeitern einsetzen.
Die Protagonistin, Ailsa, ist eine junge Frau aus gutem Hause, die sich jedoch schnell mit den sozialen Ungerechtigkeiten in Glasgow auseinandersetzt. Zusammen mit ihren Freundinnen tritt sie in den Kampf gegen Ausbeutung, Armut und Unterdrückung ein. Die Glasgow Girls setzen sich für die Arbeitnehmerrechte ein und kämpfen auch gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus.
Das Buch beschreibt detailreich und lebendig das Leben in Glasgow in den 1920er Jahren. Die Autorin schafft es, die Atmosphäre der Stadt und die Stimmung der damaligen Zeit einzufangen und dem Leser näherzubringen. Die Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet und man lernt die Glasgow Girls schnell ins Herz zu schließen. Obwohl die Geschichte schwerwiegende Themen behandelt, schafft es die Autorin, eine gewisse Leichtigkeit beizubehalten und den Leser mit den humorvollen Dialogen und dem lebendigen Schreibstil zu begeistern.
Besonders schön fand ich auch die Einbeziehung von historischen Fakten in die Erzählung. Die Autorin hat sorgfältig recherchiert und schafft es, die historischen Ereignisse in die Handlung einzuweben. Dadurch entsteht ein sehr authentisches Bild von Glasgow in den 1920er Jahren und die Geschichte wird noch lebendiger.
Alles in allem ist Glasgow Girls ein Buch, das sowohl unterhält als auch nachdenklich macht. Es ist eine beeindruckende Geschichte über den Kampf für Gerechtigkeit und Frauenrechte, die noch heute von großer Bedeutung ist. Die Glasgow Girls haben bewiesen, dass auch ein kleiner Einsatz große Veränderungen bewirken kann - eine Lektion, die auch heute noch von Bedeutung ist. Für jeden, der sich für die Geschichte Schottlands und sozialer Gerechtigkeit interessiert, ist Glasgow Girls ein Muss.

[Rezension] Kate Kowalski- Die geflohene Geschichte

 

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15€
416 Seiten
ISBN 3453322169
Rezensionsexemplar

Worum geht's? 

Worte haben Macht, das weiß jeder in der Schriftstellerstadt Kapitolo. Denn aus Worten werden Figuren und Figuren werden lebendig. Deshalb muss jeder, der des Schreibens mächtig ist, seine Fingerabdrücke und eine Speichelprobe abgeben – sollte eine Figur aus ihrer Geschichte entkommen, können die Behörden so den Schöpfer der Figur identifizieren, der diese dann in die Geschichte zurückschreiben muss. Die leidenschaftliche Fantasy-Autorin Kate hatte bisher noch nie Probleme mit ihren Figuren. Umso erstaunter ist sie, als sie eines Nachts von der Polizei aus dem Bett geklingelt wird: Eine ihrer Figuren soll einen Mord begangen haben. Für Kate beginnt ein Abenteuer, in dem sie nicht nur ihre Figur finden und ihren guten Ruf retten muss, sondern auch einem Geheimnis aus der Vergangenheit auf die Spur kommt ... (Quelle: Verlag)

Meine Meinung: 

Eine Welt, in der Romanfiguren lebendig werden können- gleichzeitig der größte Wunsch wie auch die größte Angst eines jeden Bücherwurms. Hier hat Kate Kowalski eine solche Stadt geschaffen- Kapitolo, die Stadt der Bücher. Es kann hier jederzeit passieren dass Figuren in die reale Welt übertreten, wie der große weiße Wal, der die Protagonistin am Tag ihres Eintreffens in einer Straße erwartet. Ehrlich, da bekommt man als Leserin erstmal Herzflattern- wer hat sich nicht schon einmal gewünscht, seine Lieblingsfiguren wirklich einmal kennen lernen zu können? 
Leider sind die meisten Figuren in Kapitolo nicht einfach nur da- sie begehen Verbrechen. Manche nur kleine, nicht relevante Vergehen. Andere Schlimmeres. Zu diesem Zweck gibt es ein eigenes Justizsystem in dieser Stadt, das sowohl von Figuren begangene Verbrechen wie auch Verbrechen an Figuren untersuchen und ahnden soll. Vor diesem System leben die Autoren in Angst und Schrecken, denn sie werden gleichfalls für die Taten ihrer Figuren haftbar gemacht. Und dies trifft auch unsere Protagonistin. Eine ihrer Figuren wurde an einem Tatort nachgewiesen- es bleibt die Frage: Ist die Figur auch für den Mord dort verantwortlich? Es beginnt ein Abenteuer der besonderen Art. 
Also, zunächst muss ich sagen: Die Idee dieses Fantasy-Krimi- Mischromans war wirklich meins. Zündete bei mir sofort, ich habe mir seit 'Tintenherz' seinerzeit gewünscht, es könnten literarische Figuren in die Realität kommen. Allerdings räumt die Autorin hier mit den romantischen Vorstellungen diesbezüglich auf, denn in der Welt von Kapitolo ist das absolut unerwünscht und ist überhaupt gar nicht positiv konnotiert. Im Gegenteil, es findet sogar eine ziemliche Hexenjagd statt. 
Eine weitere Sache die mir sehr positiv auffiel ist, dass die Autorin sich selbst als Protagonistin eingebaut hat (Bild im Bild im Bild im Bild...). Sehr originell, auch in Vorwort und Danksagung fällt sie nicht aus der Rolle, und sogar bei der Autorenbeschreibung bei Verlag und Co. wird sie als jemand beschrieben, der in Kapitolo wohnt. Sowas mag ich, hier wurde eine Geschichte stringend zu Ende geführt. Also wirklich, ginge es nur um die Idee dieses Romanes, würde er die volle Punktzahl erhalten. Leider gab es in der Umsetzung für mich einige Mängel- besonders bei der Gestaltung der Dialoge und Charaktere. Die Dialoge waren für mich sehr hölzern und bemüht konstruiert, kein Mensch redet so. Es wirkte nicht organisch, wie die einzelnen Protagonisten miteinander sprechen. Die Protagonisten empfand ich als zweite Schwäche- sie waren mir doch ein wenig zu leer und oberflächlich. Zwar wurde mustergültig jede mit ein paar besonderen Kennzeichen versehen, aber für mich fühlten sie sich dennoch seelenlos an. Ein paar Längen oben drauf taten ein Übriges. Mit einer Bewertung tue ich mich schwer- aufgrund der guten Idee gebe ich aber doch 4/5 Herzchen. Über weitere Geschichten in der Zukunft spielend in Kapitolo würde ich mich freuen. Vielleicht diesmal noch ein wenig stärker fokussiert auf die Entwicklung der Charaktere und Dialoge. 


Meine Bewertung: 💙💙💙💙🤍